Die Polka ist so etwas wie der kleine Wirbelwind unter den Paartänzen. Sie wird im 2/4-Takt getanzt, ist flott, fröhlich und hat wenig Verständnis für langes Herumstehen. Wer bei Polka nur an Trachten, Blasmusik und ein gut gefülltes Festzelt denkt, liegt nicht völlig falsch. Der Tanz kann aber deutlich mehr: Seit fast zwei Jahrhunderten dreht er seine Runden durch Ballsäle, Volksfeste und Tanzveranstaltungen in aller Welt.
Der Grundschritt besteht in seiner verbreiteten Form aus drei Schritten und einem kleinen Hüpfer. Danach beginnt die Folge mit dem anderen Fuß von vorn. Das klingt zunächst harmlos. Sobald Musik, Drehung und ein zweiter Mensch dazukommen, wird daraus allerdings ein ziemlich sportliches Vergnügen. Getanzt wird meist in geschlossener Paarhaltung und mit federnden, lebhaften Bewegungen. Je nach Region und Tanztradition fällt die Polka etwas ruhiger, kräftiger oder hüpfender aus.
Entstanden ist die Polka wahrscheinlich um 1830 in Böhmen, also im Gebiet des heutigen Tschechiens. Eine oft erzählte Geschichte schreibt ihre Erfindung einer jungen Frau namens Anna Chadimová zu. Solche hübschen Entstehungslegenden sollte man jedoch nicht mit einer Geburtsurkunde verwechseln. Sicher ist: In den 1830er-Jahren wurde der Tanz in Prag bekannt. Von dort gelangte er über Wien nach Paris und löste in den 1840er-Jahren eine regelrechte Polka-Mode aus.
Auch die Herkunft des Namens ist nicht ganz eindeutig. Häufig wird er vom tschechischen Wort „půlka“ für „Hälfte“ beziehungsweise „Halbschritt“ abgeleitet. Andere Erklärungen stellen einen Bezug zu Polen her. Trotz ihres Namens gilt die Polka aber nicht als polnischer Nationaltanz, sondern als böhmischer Tanz.
Die Auswanderung aus Mittel- und Osteuropa nahm die Polka gleich mit über den Atlantik. Besonders in den USA blieb sie in vielen Einwanderergemeinschaften lebendig. Dass sie dort nicht nur im Museum steht, zeigt zum Beispiel das National Polka Festival im texanischen Ennis. Verschiedene Regionen entwickelten dabei eigene Besetzungen, Spielweisen und Schrittvarianten. Polka ist deshalb weniger ein streng genormtes Einzelstück als eine ganze Familie eng verwandter Tänze.
Zur Polka gehören eine klare Betonung und ein Tempo, das die Füße freundlich, aber bestimmt zur Mitarbeit auffordert. Berühmte Konzertpolkas stammen unter anderem von Johann Strauss Sohn und Josef Strauss. In der Volks- und Unterhaltungsmusik lebt der Rhythmus ebenso weiter. Wer eine Polka tanzen möchte, braucht also weder Ballkleid noch Lederhose. Bequeme Schuhe, ein wenig Kondition und ein Partner, der bei der Drehrichtung ungefähr derselben Meinung ist, sind allerdings sehr hilfreich.
Typische Musik für die Polka
Name
Komponist/Interpret
Tritsch-Tratsch-Polka
Johann Strauss (Sohn)
Unter Donner und Blitz
Johann Strauss (Sohn)
Pizzicato-Polka
Johann Strauss (Sohn) und Josef Strauss
Rosamunde (Škoda lásky / Beer Barrel Polka)
Jaromír Vejvoda
Liechtensteiner Polka
Will Glahé
Entstehung: um 1830
Entstehungsort: Böhmen, heute Tschechien
Takt: 2/4
Geschwindigkeit: je nach Stil unterschiedlich, meist lebhaft bis schnell
Grundschritt: drei Schritte und ein Hüpfer, danach mit dem anderen Fuß
Limbo-Aufführung in Port of Spain, Trinidad. Foto: Anneli Salo, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Beim Limbo entscheidet nicht eine komplizierte Schrittfolge, sondern die Frage: Wie tief kommst du? Die Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich nacheinander unter einer waagerechten Stange hindurch, beugen dabei Knie und Oberkörper nach hinten und versuchen, weder die Stange noch den Boden zu berühren. Nach jeder Runde wird die Stange ein Stück abgesenkt. So verbindet der Limbo Tanz, Geschicklichkeit und spielerischen Wettkampf.
Der Limbo stammt aus Trinidad und gehört damit zur afrokaribisch geprägten Kultur der Insel. In seiner älteren Form war er mehr als ein Urlaubsspiel: Berichte bringen ihn mit Totenwachen und Begräbnisbräuchen in Verbindung. Getanzt wurde demnach bei Zusammenkünften nach einem Todesfall, teils am neunten Tag nach der Beerdigung. Die Bewegung unter der niedrigen Stange konnte dabei als symbolischer Übergang verstanden werden. Eine häufig erzählte Deutung sieht außerdem eine Erinnerung an die bedrückende Enge der Sklavenschiffe. Diese Erklärung ist jedoch nicht eindeutig historisch belegt und sollte deshalb nicht als gesicherter Ursprung gelten.
Im 20. Jahrhundert veränderte sich der Limbo deutlich. Auf Trinidad wurde er für Bühnenprogramme und für Besucher der Insel inszeniert; aus dem gemeinschaftlichen Brauch entwickelte sich zunehmend eine Schau- und Wettbewerbsnummer. Besonders die Tänzerin und Choreografin Julia Edwards machte den Tanz mit ihrer Limbo Company international bekannt. Auf Tourneen präsentierte die Gruppe spektakuläre Varianten, bei denen die Tänzer unter sehr niedrigen oder sogar brennenden Stangen hindurchgingen.
In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde der Limbo außerhalb der Karibik populär. Calypso-Moden, Schallplatten, Filme und Shows machten ihn in Nordamerika und Europa zum Sinnbild karibischer Lebensfreude. Einen zusätzlichen Schub gab 1962 Chubby Checkers Hit Limbo Rock mit der bis heute bekannten Aufforderung: „How low can you go?“ Seitdem begegnet man dem Limbo weltweit auf Feiern, in Ferienanlagen und bei Kinderfesten. Dabei gerät sein trinidadischer kultureller Hintergrund leicht aus dem Blick.
Zwei Personen halten eine leichte Stange waagerecht, alternativ liegt sie lose auf einem Gestell. Die Teilnehmenden gehen einzeln und mit dem Gesicht nach vorn darunter hindurch. Der Oberkörper wird nach hinten geneigt, während die Knie gebeugt werden und die Füße den Körper mit kleinen Schritten vorwärts tragen. Wer die Stange herunterstößt, den Boden mit Händen oder Oberkörper berührt oder seitlich ausweicht, scheidet nach den vereinbarten Regeln aus. Haben alle eine Höhe bewältigt, wird die Stange tiefer gelegt.
Limbo am Strand von Jamaika, 1971. Foto: rickpilot_2000, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.
Je niedriger die Stange hängt, desto wichtiger werden Gleichgewicht, Beweglichkeit und Kraft in Beinen und Rumpf. Gute Limbotänzer verteilen ihr Gewicht kontrolliert, halten die Hüfte tief und setzen die Füße fast gleitend voreinander. Die genaue Ausführung ist nicht überall gleich: Als Gesellschaftsspiel werden die Regeln meist locker gehandhabt, professionelle Vorführungen und Rekordversuche folgen dagegen festgelegten Bedingungen. Limbo ist kein Paartanz und besitzt keinen verbindlichen Grundschritt wie Walzer oder Cha-Cha-Cha.
Traditionell begleiten Gesang, Händeklatschen und Trommeln den Tanz. In modernen Aufführungen erklingen häufig Calypso, Steelpan-Musik oder andere karibische Tanzrhythmen im 4/4-Takt. Einen vorgeschriebenen Limbo-Rhythmus gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist ein gleichmäßiger, gut hörbarer Puls, zu dem die Teilnehmenden ihre kleinen Schritte setzen können. Bei Festen steigert ein Vorsänger oder Moderator mit Zurufen die Spannung, während das Publikum klatscht und die nächste Runde erwartet.
Heute hat der Limbo mehrere Gesichter. Er ist Teil der Kulturgeschichte Trinidads, eine artistische Bühnendisziplin und zugleich ein unkompliziertes Tanzspiel, das ohne Vorkenntnisse funktioniert. Gerade diese Mischung erklärt seine anhaltende Popularität. Wer die Stange immer tiefer legt, erlebt vor allem Spaß und Spannung; wer nach seiner Herkunft fragt, entdeckt dahinter aber auch ein Stück afrokaribischer Geschichte und den Wandel einer lokalen Tradition zur weltweit bekannten Unterhaltung.
Herkunft: Trinidad
Form: Einzeltanz, Geschicklichkeitsspiel und Wettbewerb
Aufgabe: Rückwärts geneigt unter einer immer tieferen Stange hindurchtanzen
Musik: häufig Calypso, Steelpan- und andere karibische Rhythmen
Besonderheit: keine festgelegte Schrittfolge und kein Bestandteil des Welttanzprogramms
Im Grunde klassisch wie das Kinderspiel, nur dass nicht ein, sondern zwei Stühle fehlen.
In der Mitte der Tanzfläche werden die Stühle paarweise mit dem Rücken aneinandergestellt. Man nimmt zwei Stühle weniger, als Personen mitmachen wollen. Nun geht es zusammen im Foxtrott, Walzer oder Tango um die Stühle. Wenn die Musik vom Spielleiter unterbrochen wird, müssen sich alle setzen. Klar, ein Paar bekommt keinen Sitzplatz und scheidet aus. Gleichzeitig werden, ehe die Musik wieder einsetzt, zwei Stühle entfernt, sodass wiederum zwei Plätze weniger vorhanden sind, als Mitspielende teilnehmen. Das Spiel wiederholt sich so lange, bis nur noch die beiden Sieger übrig bleiben.
Jeweils ein Bein des Tanzpaares wird zusammengeknotet.
Genauer gesagt soll das linke Bein des Herrn mit dem rechten Bein der Dame verbunden werden. Schnürsenkel sind dabei keine so gute Idee, weil man die Knoten am Ende nicht mehr aufbekommt. Gut verschnürt sollen die Paare dann von einem Ende des Saales zum anderen tanzen. Sieger ist, wer als Erster am Ende ankommt. Dann kann man natürlich Gruppen bilden und dann die Sieger gegeneinander antreten lassen.
Dieses Tanzspiel ist an den „Eierlauf“ angelehnt, den wir alle aus unserer Jugend kennen dürften.
Die Mittänzer werden in Gruppen von je vier Paaren aufgeteilt. Die erste Gruppe stellt sich am Ende der Tanzfläche auf.
Jedes Paar erhält einen Suppenlöffel, auf den ein hartgekochtes Ei gelegt wird. Diese vier Paare tanzen nun einen Walzer bis zum anderen Saalende und von dort wieder zum Startplatz zurück, wobei sie die Tanzhaltung nicht aufgeben dürfen. Wer als Erster ankommt, ohne unterwegs das Ei verloren zu haben, ist Sieger. Die Sieger aus jeder Gruppe müssen gegen die Sieger der anderen Gruppen antreten usw., bis man dann zum Schluss einen Endsieger hat.
Gene Kelly, 1986. Foto: Allan Warren, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Name
Gene Kelly
Land
USA
Verbreitungsgrad
International
Bürgerlicher Name
Eugene Curran Kelly
Geboren
23. August 1912 in Pittsburgh, Pennsylvania, USA
Gestorben
2. Februar 1996 in Beverly Hills, Kalifornien, USA
Tätigkeit
Tänzer, Schauspieler, Sänger, Choreograf und Regisseur
Wenn Gene Kelly mit einem Regenschirm um eine Straßenlaterne tanzt, wirkt selbst ein Wolkenbruch wie eine Einladung zum Tanzen. Diese Szene aus Singin’ in the Rain machte ihn unsterblich. Kelly war jedoch weit mehr als der gut gelaunte Mann im Regen: Als Tänzer, Choreograf und Regisseur veränderte er die Art, wie Tanz für den Film entwickelt und aufgenommen wurde.
Eugene Curran Kelly wurde 1912 in Pittsburgh als eines von fünf Kindern geboren. Seine Mutter schickte ihn bereits als Kind zum Tanzunterricht, doch zunächst begeisterte er sich stärker für Sport und träumte von einer Laufbahn als Baseballspieler. Erst als Jugendlicher entdeckte er den Tanz für sich. Die sportliche Ausbildung blieb sichtbar: Kraft, Tempo und große, raumgreifende Bewegungen wurden später zu Kennzeichen seines Stils.
Kelly studierte Wirtschaftswissenschaften an der University of Pittsburgh und schloss das Studium 1933 ab. Während der wirtschaftlich schwierigen Jahre nach dem Börsenkrach half er seiner Familie und trat gemeinsam mit seinem Bruder Fred bei Wettbewerben und in Nachtclubs auf. Die Familie betrieb eine eigene Tanzschule, in der Gene Kelly unterrichtete und Bühnenerfahrung sammelte. Ein begonnenes Jurastudium gab er bald wieder auf, weil ihn die Arbeit als Tänzer und Choreograf stärker anzog.
1938 ging Kelly nach New York und erhielt sein erstes Broadway-Engagement in Cole Porters Musical Leave It to Me!. Es folgten The Time of Your Life und 1940 die Hauptrolle in Pal Joey, mit der er zum Broadway-Star wurde. Schon damals interessierte ihn nicht nur die Ausführung einer Choreografie. Er wollte Tanz aus der Handlung und aus dem Charakter einer Figur entwickeln, statt eine beliebige Showeinlage zwischen zwei Szenen zu setzen.
Sein Filmdebüt gab Kelly 1942 an der Seite von Judy Garland in For Me and My Gal. Der entscheidende Durchbruch gelang ihm zwei Jahre später mit Cover Girl und Rita Hayworth. In der berühmten „Alter Ego“-Nummer tanzt Kelly mit seinem eigenen Spiegelbild. Die technisch aufwendig montierte Szene zeigte bereits, wie sehr er Kamera, Schnitt und Spezialeffekte als Bestandteile einer Choreografie verstand.
In Anchors Aweigh von 1945, in Deutschland als Urlaub in Hollywood bekannt, tanzte Kelly nicht nur mit Frank Sinatra, sondern auch mit der Zeichentrickfigur Jerry aus Tom und Jerry. Realfilm und Animation mussten dafür Bild für Bild aufeinander abgestimmt werden. Für seine Darstellung erhielt Kelly seine einzige Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller. Zwischen 1944 und 1946 diente er außerdem in der US Navy und arbeitete dort in einer Filmeinheit an Dokumentarproduktionen. Diese Erfahrungen verstärkten sein Interesse an Regie und Filmtechnik.
Kellys Tanzstil unterschied sich deutlich von der scheinbar schwerelosen Eleganz Fred Astaires. Er tanzte bodennäher, kraftvoller und oft in Alltagskleidung statt im Frack. Elemente aus Ballett, Stepptanz, Jazz, Modern Dance und sportlichen Bewegungen verband er zu einer eigenen Filmsprache. Dabei sollte die Kamera den Tanz nicht bloß dokumentieren. Blickwinkel, Bildausschnitt, Bewegung der Kamera und Schnitt wurden so geplant, dass sie Rhythmus und Erzählung unterstützten. Häufig ließ Kelly den ganzen Körper der Tänzer im Bild, damit Schritte und Bewegungsfluss nachvollziehbar blieben.
Mit Stanley Donen führte Kelly 1949 bei On the Town erstmals Regie. Teile des Musicals wurden tatsächlich auf den Straßen von New York gedreht, was für eine große Studioproduktion damals ungewöhnlich war. Der Film öffnete das Musical räumlich: Tanz fand nicht mehr nur vor gemalten Kulissen statt, sondern eroberte Bahnhöfe, Straßen und Sehenswürdigkeiten. Kelly und Donen arbeiteten später auch bei Singin’ in the Rain und It’s Always Fair Weather zusammen.
1951 folgte An American in Paris mit Leslie Caron. Das lange Schlussballett verband George Gershwins Musik mit Bühnenbildern, die sich an französischen Malern orientierten. Der Film gewann sechs Oscars, darunter den für den besten Film. Kelly selbst erhielt 1952 einen Ehrenoscar für seine Vielseitigkeit und seine besonderen Leistungen für die Filmchoreografie.
Gene Kelly in Singin’ in the Rain, 1952. Gemeinfreier Screenshot aus dem MGM-Kinotrailer, via Wikimedia Commons.
Singin’ in the Rain von 1952 gilt heute als einer der Höhepunkte des klassischen Hollywood-Musicals. Kelly spielte die Hauptrolle, choreografierte die Tänze und führte gemeinsam mit Donen Regie. Neben der berühmten Regenszene gehören das rasante „Moses Supposes“ mit Donald O’Connor und das große „Broadway Melody“-Finale mit Cyd Charisse zu den bekanntesten Nummern. Der Film verbindet Tanz, Gesang und Komödie mit einer Geschichte über den schwierigen Übergang vom Stumm- zum Tonfilm.
Kelly experimentierte weiter. Invitation to the Dance, 1956 veröffentlicht, erzählt drei Geschichten allein mit Musik und Tanz; in einer davon verbindet sich Kelly erneut mit Animation. Das ehrgeizige Projekt war wirtschaftlich kein Erfolg, zeigt aber besonders deutlich seinen Wunsch, Tanz ohne erklärende Dialoge als eigenständige Erzählform einzusetzen. Auch in Brigadoon und It’s Always Fair Weather suchte er nach neuen Möglichkeiten für Breitwandformat, Gruppenbewegung und filmischen Raum.
Als das klassische Filmmusical Ende der 1950er-Jahre an Bedeutung verlor, arbeitete Kelly verstärkt als Regisseur und übernahm auch dramatische Rollen. Er spielte unter anderem in Inherit the Wind und in Jacques Demys Die Mädchen von Rochefort. Zu seinen Regiearbeiten gehören A Guide for the Married Man, Hello, Dolly! mit Barbra Streisand und The Cheyenne Social Club. Seine letzte große Filmrolle spielte er 1980 in Xanadu.
Sein Einfluss reichte über Hollywood hinaus. 1960 schuf Kelly für die Pariser Oper ein Ballett zu Gershwins Concerto in F und wurde später zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. 1982 erhielt er die Kennedy Center Honors, 1985 den Life Achievement Award des American Film Institute. Gene Kelly starb 1996 im Alter von 83 Jahren in Beverly Hills.
Kelly machte den männlichen Tänzer im Kino athletisch, modern und nahbar. Vor allem aber zeigte er, dass eine Filmchoreografie nicht einfach eine Bühnenchoreografie vor laufender Kamera sein muss. Seine besten Nummern sind speziell für Blickwinkel, Raum und Rhythmus des Films gebaut. Deshalb wirken sie auch Jahrzehnte später nicht wie abgefilmte Theaterstücke, sondern wie Bewegung, die nur im Kino genau so möglich ist.
Frank Sinatra in der Liederkranz Hall, New York, etwa 1947. Foto: William P. Gottlieb, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Name
Frank Sinatra
Land
USA
Verbreitungsgrad
International
Bürgerlicher Name
Francis Albert Sinatra
Geboren
12. Dezember 1915 in Hoboken, New Jersey
Gestorben
14. Mai 1998 in Los Angeles
Awards
Entertainer, Musiker, Schauspieler
Frank Sinatra war ein US-amerikanischer Sänger, Schauspieler und Entertainer, der aufgrund seiner charakteristischen Stimme den Beinamen The Voice erhielt. Er gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Populärmusik des 20. Jahrhunderts.
Frühe Jahre
Sinatra war der Sohn italienischer Auswanderer, die beide als Kinder mit ihren Eltern um die Jahrhundertwende an die amerikanische Ostküste gekommen waren. Sein Vater stammte aus Palermo, Sizilien und arbeitete als Profiboxer, Feuerwehrmann und Kneipier. Seine Mutter hingegen kam aus dem norditalienischen Lumarzo bei Genua und war die örtliche Vorsitzende der Demokratischen Partei in Hoboken. Es ist anzunehmen, dass Sinatra als Einzelkind zwar in insgesamt bescheidenen, im Vergleich zur Lage der meisten anderen italo-amerikanischen Einwanderer aber durchaus „besseren“ Verhältnissen aufwuchs.
Schon früh fühlte er sich von Musik angezogen und tingelte bereits als Teenager mit seiner Ukulele, einer kleinen Musikanlage und einem Megaphon durch die Bars seiner Heimatstadt. Ab 1932 hatte Sinatra erste kleinere Radioauftritte; und seit er sein Idol Bing Crosby 1933 in Jersey City im Konzert gesehen hatte, war es sein Berufswunsch, Sänger zu werden. Nebenbei arbeitete er während der Rezession in den 1930er Jahren, nachdem er die High School ohne Abschluss verlassen hatte, unter anderem als Sportjournalist für eine Lokalzeitung. Auch das Kino fand sein großes Interesse; einer seiner Lieblingsschauspieler war Edward G. Robinson, der damals vor allem in Gangsterfilmen auftrat.
Mit dem Vokalquartett The Hoboken Four gewann Sinatra im September 1935 einen Talentwettbewerb der damals populären Radioshow „Major Bowes Amateur Hour“ und ging mit ihm in den folgenden Monaten auf seine erste nationale Tournee. Ab 1937 arbeitete er dann für 18 Monate in einem festen Engagement als Entertainer in einem Musiklokal in New Jersey, das auch von Stars wie Cole Porter besucht wurde, und legte dort und mit weiteren Radioauftritten den Grundstein für seine professionelle Karriere.
Im Februar 1939 heiratete Sinatra seine Jugendliebe Nancy Barbato. Aus dieser Ehe ging 1940 seine Tochter Nancy Sinatra hervor, später selbst eine erfolgreiche Sängerin. Ihr folgten 1944 Sohn Frank Sinatra jr. (1988-1995 Sinatras Orchesterleiter) und 1948 Tochter Tina Sinatra, die als Filmproduzentin arbeitet.
Karrierebeginn
Kurz nach der Hochzeit, im Frühjahr 1939, entdeckte der damals sehr populäre Bandleader Harry James das junge Nachwuchstalent und verpflichtete Sinatra ab Sommer als Leadsänger für seine Big Band. Zusammen mit James nahm Sinatra seine ersten Schallplatten auf, darunter den Titel All Or Nothing At All, der ihn dann bei seiner Wiederveröffentlichung 1943 an die Spitze der Charts brachte und zum Solo-Star neben Bing Crosby machte. Seinen nationalen Durchbruch als Sänger hatte Sinatra bereits erreicht, nachdem er Anfang 1940 als Sänger zum Orchester von Tommy Dorsey gewechselt und ihm dort nach wenigen Monaten mit I’ll Never Smile Again sein erster Nummer-1-Hit gelungen war. Seine Konzert- und Radioauftritte mit Dorsey machten Sinatra rasch landesweit bekannt und bestärkten ihn darin, eine Sololaufbahn zu starten. Auf seinen Wunsch hin entließ ihn Dorsey im September 1942, zunächst gegen eine Beteiligung an künftigen Einnahmen, aus seinem längerfristigen Vertrag.
Seit Sommer 1943 besaß Sinatra einen festen Plattenvertrag bei Columbia, und seine Veröffentlichungen, zumeist eingespielt mit dem Arrangeur Axel Stordahl, trugen ihm zahlreiche Spitzenplätze in den Charts ein und machten ihn bald zum erfolgreichsten Sänger des Landes. Außerdem war er über viele Jahre hinweg mehrmals wöchentlich im Radio zu hören, zum Beispiel im populären Programm Your Hit Parade (1943/1944 und 1947-49), aber auch mit eigenen Sendereihen wie Reflections (1942), The Broadway Bandbox (1943), Songs By Sinatra (1943 und 1945-47), The Frank Sinatra Programme und Frank Sinatra In Person (1944), The Frank Sinatra Show (1945) sowie Light-Up Time (1949/1950). Seine konsequente Nutzung des Radio-Mediums war neben den Schallplattenaufnahmen die wichtigste Grundlage für Sinatras ungeheuere Popularität. In den 1950er Jahren folgten noch die Krimi-Hörspielreihe Rocky Fortune (1953/54) und die Musikshow To Be Perfectly Frank (1953-55).
Frank Sinatra und Tommy Dorsey, 1942. Gemeinfreies MGM-Pressefoto, via Wikimedia Commons.
Schon zu Dorsey-Zeiten, aber verstärkt nach seinen mehrwöchigen Soloauftritten im New Yorker Paramount Theatre, bei denen er im Oktober 1944 die Columbus Day Riots, die erste Massenekstase der Popgeschichte, hervorrief, wurde Sinatra zum musikalischen Idol der Weltkriegsgeneration. Vor allem die jungen Mädchen standen auf „Frankie Boy“, der es nun auf fünfstellige Wochengagen gebracht hatte und auch als Schauspieler in Musicals und Komödien bei RKO und MGM Erfolge feierte. Für den von ihm konzipierten und realisierten Kurzfilm The House I Live In (RKO Radio Pictures, 1945), in dem er (als alleiniger Hauptdarsteller) ein Plädoyer für die Gleichberechtigung aller Rassen und Religionen hielt, wurden Sinatra selbst, Produzent Frank Ross und Regisseur Mervyn LeRoy Anfang März 1946 mit einem eigens neu geschaffenen Sonder-Oscar ausgezeichnet. (Sinatra erhielt später noch zwei weitere Oscars, 1954 wie unten erwähnt den Preis als bester Nebendarsteller und 1971 den „Ehren-Oscar“/Jean-Hersholt Humanitarian Award; dazu kam eine Nominierung als bester Hauptdarsteller in The Man With The Golden Arm 1956.)
Abstieg und Comeback
Mit Beginn der 1950er sank sein Stern zusehends. Zudem verlor „Frankie Boy“ endgültig seinen Ruf als Saubermann, er hatte zahlreiche Affären mit teils prominenten Frauen, und schließlich wurde seine erste Ehe mit Nancy 1951 geschieden. Die 1951 geschlossene zweite Ehe mit dem Filmstar Ava Gardner hielt nur wenige Jahre; bereits 1953 erfolgte die offizielle Trennung, die Ehe wurde allerdings erst 1957 geschieden. Zahlreiche weitere Affären mit Showkolleginnen sollten folgen. Im Frühjahr 1950 traten bei Sinatra Blutungen an den Stimmbändern auf, die seine Stimme kurzzeitig außer Gefecht setzten. Seine erste eigene Fernsehserie The Frank Sinatra Show (1950-52) wurde ein kommerzieller Flop, und zwei Jahre später, im Herbst 1952, verlor er seinen Plattenvertrag bei Columbia Records, nachdem schon seine Filmfirma den Vertrag nicht verlängert hatte: Die Gesangskarriere schien am Ende.
1952 hatte Frank Sinatra sich für eine ernste Rolle beworben, in die er nun alle Hoffnungen legte, um seiner Karriere zu einem neuen Aufschwung zu verhelfen, die des „Angelo Maggio“ in Verdammt in alle Ewigkeit. Der Regisseur des Filmes, Fred Zinnemann, war jedoch zunächst nicht bereit, die Rolle an Frank Sinatra zu vergeben, und ließ sich erst überzeugen, als Sinatra auf Probeaufnahmen bestand. Gerüchten zufolge wurde Sinatra erst von Zinnemann engagiert, nachdem dieser massiv von der Mafia bedroht worden war. Darauf wurde dann später in einer Szene des Films Der Pate (1972) angespielt: Die Figur des Johnny Fontane, eines weinerlichen Schnulzensängers, der beim „Paten“ um „Unterstützung“ für seine Karriere bettelt (und diese auch bekommt), soll dabei Sinatra nachempfunden sein. (Mario Puzo, der Autor der Romanvorlage, hat diesen Zusammenhang aber selbst stets bestritten.) Jedenfalls geschah, was keiner für möglich gehalten hatte: Sinatra bekam nicht nur die Rolle, sondern prompt dafür auch den Oscar als bester Nebendarsteller.
1953 schloss Sinatra zudem einen neuen Plattenvertrag mit dem Label Capitol Records. In den folgenden Jahren nahm er dort eine Reihe bahnbrechender Alben wie In The Wee Small Hours, Songs For Swingin‘ Lovers, Come Fly With Me oder Sinatra Sings For Only The Lonely auf, viele davon mit dem Arrangeur Nelson Riddle, daneben auch mit Billy May und Gordon Jenkins. Mit bis zu vier Filmen pro Jahr festigte Sinatra in dieser Zeit auch seinen Ruf als Leinwand-Star. Zunehmend war Sinatra jetzt auch auf den Konzertbühnen der Glücksspielmetropole Las Vegas zu finden, und mit seiner wöchentlichen Sendung The Frank Sinatra Show (1957/58) sowie weiteren Specials und Gastauftritten war er zudem auch wieder im Fernsehen präsent. Damit war ihm sein Comeback in der Showbranche mehr als eindrucksvoll geglückt.
Ab den 1960er Jahren war Frank Sinatra in mehrerlei Hinsicht der Entertainer schlechthin, hatte vielfach preisgekrönte Specials im Fernsehen, ging auf zahlreiche Tourneen im In- und Ausland und drehte erfolgreich, als Schauspieler ebenso wie neuerdings auch als Filmproduzent und Regisseur. Weil er mit seinen Vertragsbedingungen bei Capitol zunehmend unzufrieden gewesen war, hatte er 1960 seine eigene Plattenfirma Reprise Records gegründet, für die er ab 1962 seine Musikaufnahmen ausschließlich produzierte. 1963 verkaufte Sinatra die Firma mit großem Gewinn an die Warner Music Group, behielt aber für seine eigenen Aufnahmen und Projekte die volle Entscheidungsgewalt. 1966 gelang Sinatra mit Strangers In The Night, einer Komposition von Bert Kaempfert, Charles Singleton und Eddie Snyder, der bis dahin größte kommerzielle Erfolg seiner musikalischen Karriere, der mit dem Grammy-Gewinn für die Alben September Of My Years und A Man and His Music zusammenfiel und von mehreren Emmy-Gewinnen für seine A Man and His Music-Fernsehspecials (1965-1967) begleitet wurde. Ende Dezember 1968 nahm er mit My Way, einer von Paul Anka getexteten englischen Adaption des französischen Chansons Comme D’Habitude (von Claude François, Jacques Revaux und Gilles Thibault), ein Lied auf, das fortan in seiner Version zum Weltschlager und zu seiner eigenen Erkennungsmelodie werden sollte.
Der Abschied
Im Frühjahr 1971 verkündete Sinatra seinen Abschied von Bühne und Showbusiness, trat jedoch nach nur zweijähriger Abstinenz ab 1973 und dann bis in die 1990er Jahre hinein wieder regelmäßig auf und machte auch weiterhin Schallplattenaufnahmen, bei denen, wie schon Ende der 1960er Jahre, meist Don Costa Regie führte. Dabei beschränkte sich Sinatra nicht nur darauf, bereits veröffentlichte Songs immer wieder neu zu interpretieren, sondern nahm im Jahr 1979 mit dem 1977 entstandenen Theme from New York, New York einen neuen Hit auf, der mit zu seinem Markenzeichen wurde. Im selben Jahr entstand The Future, eine dreiviertelstündige musikalische Suite mit autobiographischen Anspielungen, die Gordon Jenkins komponiert hatte. Mit zahlreichen weiteren Konzertreisen in alle fünf Kontinente wurden die 1980er Jahre zu Sinatras kommerziell erfolgreichsten Bühnenjahren im Ausland ebenso wie im Inland, wo er vor allem mit seinen Konzertserien in der New Yorker Carnegie Hall zum Teil bis heute bestehende Zuschauerrekorde aufstellte. Anfang der 1990er Jahre veröffentlichte er zwei CDs (Duets und Duets II), auf denen er seine Hits mit verschiedenen Duettpartnern neu einspielte.
Nach seiner Trennung von Ava Gardner war Sinatra lange Zeit unverheiratet geblieben. 1962 war er kurzzeitig mit der Tänzerin Juliet Prowse verlobt, aber erst 1966 heiratete er wieder: Mia Farrow, eine blutjunge Schauspielkollegin. Doch auch diese Ehe hielt nicht lange: Bereits 1968 wurden sie geschieden. Erst 1976 fand Frank mit seiner vierten Frau Barbara, die zuvor mit Zeppo Marx verheiratet gewesen war, sein privates Glück.
Neben zahlreichen Liebesaffären sagte man Frank Sinatra immer wieder Alkoholprobleme nach. Besonders mit seinen Freunden Sammy Davis jr., Dean Martin, Joey Bishop und Peter Lawford, mit denen er legendäre Auftritte im The Sands in Las Vegas hatte (später bezeichnet als „The Rat Pack“, sie selbst verwendeten diese Bezeichnung nie und nannten ihre Shows The Summit), waren angeblich regelrechte Gelage keine Seltenheit. Sein Entertainerauftritt im eleganten Smoking mit dem Whiskyglas in der rechten Hand und dem Mikrofon in der Linken war dabei charakteristisch für ihn. Seinen einstmals fülligen, aber früh zurückweichenden Haarwuchs versuchte Sinatra abseits der Bühne unter seinen typischen eleganten Hüten zu verbergen; auf der Bühne trug er in der Regel ein Toupet.
Fazit
Sinatra war ein überaus produktiver Künstler, der in den 54 Jahren zwischen 1939 und 1993 insgesamt knapp 1.300 Lieder im Studio einspielte und in seiner Bühnenkarriere zwischen 1933 und 1995 mit auch live dargebotenen Interpretationen rund 1.900 verschiedener Songs sein musikalisches Vermächtnis aufbaute. Dabei war er vielfach ein Mann der Superlative:
Von 1940 bis 2007 verging kein Jahr, ohne dass wenigstens ein Sinatra-Titel in den Billboard-Charts (Singles bzw. Alben) aufgetaucht wäre. Sein Capitol-Album Come Dance With Me hielt sich ab 31. Januar 1959 ganze 140 Wochen in den Billboard-LP-Charts, neun weitere Alben blieben dort länger als ein Jahr.
Zwischen Januar 1961 und August 1963 veröffentlichte Sinatra insgesamt 14 verschiedene komplett neu eingespielte Alben, von denen 12 in die Top-30 der Billboard-Charts kamen.
Sinatra selbst gewann seit der Einführung des Preises 1958 bis 1995 achtzehnmal den Grammy und erhielt weitere 25 Nominierungen (posthum kamen weitere Preise und Nominierungen hinzu). Für seine musikalischen Fernsehshows gewann er viermal den Emmy.
Mit einem der legendärsten Konzerte der Musikgeschichte, dem „Main Event“ aus dem Madison Square Garden in New York City im Jahre 1974, das live über Satellit in den gesamten pazifischen, südamerikanischen und europäischen Raum übertragen wurde, überflügelte Sinatra den bisherigen TV-Reichweiten-Rekord von Elvis Presley (aus dessen Special Aloha From Hawaii 1973) und sogar denjenigen der Mondlandung; Sinatra und Presley erreichten beide jeweils eine Milliarde Zuschauer.
Mit seinem Konzert im Fußballstadion Maracana in Rio de Janeiro im Januar 1980 vor 175.000 Zuschauern war Sinatra bis 1988, als Tina Turner an gleicher Stelle mehr Zuhörer anlockte, im Guinness-Buch der Rekorde vertreten.
Sinatra ist auf allen Kontinenten der Erde und in mehr als drei Dutzend Ländern aufgetreten; in über 90 verschiedenen Ländern wurden seine Platten zu Lebzeiten in eigenen Pressungen verkauft.
Die Schätzungen über die Gesamtzahl der verkauften Platten schwanken sehr stark, es ist jedoch anzunehmen, dass er neben den Beatles und Elvis Presley der Künstler mit den meisten verkauften Tonträgern ist. Vorsichtige Schätzungen lassen auf etwa 700-800 Millionen verkaufter Platten schließen.
Auch 8 Jahre nach seinem Tod brach Frank Sinatra noch Rekorde – bereits vor der offiziellen Eröffnung im März 2006 verkaufte das Palladium-Theatre in London (wo Sinatra 1950 sein Konzertdebüt in England gegeben hatte) für mehr als 1,5 Millionen Pfund Tickets für eine mehrmonatige Multimedia-Sinatra-Konzertshow. Den vorherigen Rekord hatte Sinatra im November 1975 mit einer Konzertreihe zusammen mit Sarah Vaughan und Count Basie selbst aufgestellt, als es für insgesamt 15.000 Tickets für 10 Shows in 8 Tagen knapp 400.000 Anfragen gab.
Ende Mai und Anfang Juni 1993 gastierte Sinatra letztmals für sechs Konzerte (fünf davon in Deutschland, wo Sinatra zuvor 1951, 1961, 1975, 1989 und 1991 aufgetreten war) in Europa. Vier Wochen später begann Sinatra mit den Aufnahmen für Duets, sein vorletztes Studioprojekt, dem 1994 Duets II folgte.
Noch im Jahr 1994 absolvierte Sinatra über 80 Auftritte und unternahm Konzertreisen auf die Philippinen und nach Japan. Im Dezember 1994 ließ er dann seinen endgültigen Rückzug mitteilen, nachdem er zuvor in Atlantic City seine letzten regulären Konzerte vor heimischem Publikum gegeben hatte. Seinen allerletzten Gesangsauftritt hatte Sinatra im Februar 1995 in Palm Springs am Rande eines von ihm selbst veranstalteten Benefiz-Golfturniers, und beim Aufzeichnungstermin der offiziellen Gala zu seinem 80. Geburtstag am 19. November 1995 stand er letztmals auf einer Bühne.
1944 bereits war Sinatra aus New Jersey an die Westküste nach Kalifornien umgezogen, wo er seit 1948 in Palm Springs lebte. 1995 verkaufte er sein dortiges Anwesen und verbrachte seine letzten Jahre in Beverly Hills.
Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Sinatra am 25. Oktober 1996, als er gemeinsam mit seiner Frau eine Benefizveranstaltung in Beverly Hills besuchte. Am 1. November 1996 wurde er wegen einer leichten Lungenentzündung für eine Woche ins Krankenhaus eingeliefert. Am 9. Januar 1997 erlitt Sinatra einen Herzinfarkt, konnte zwar bereits nach acht Tagen das Hospital wieder verlassen, trat aber seither nicht mehr bei öffentlichen Veranstaltungen in Erscheinung und war zunehmend ans Bett gefesselt. Den 1997 getroffenen Beschluss des US-Kongresses, ihn mit der Goldenen Ehrenmedaille auszuzeichnen, erlebte er zuhause am Bildschirm.
Am 14. Mai 1998 ereilte Sinatra ein erneuter Herzinfarkt, dessen Folgen er noch am selben Abend im Cedars-Sinai-Krankenhaus von Los Angeles erlag. Zu Ehren von Ol‘ Blue Eyes (Sinatra hatte bemerkenswert blaue Augen) wurden in Las Vegas für drei Minuten die Lichter der Stadt ausgeschaltet, und das Empire State Building in New York City wurde für drei Tage in blaues Licht getaucht. Im Anschluss an eine vom Erzbischof von Los Angeles Roger Kardinal Mahoney in Los Angeles gehaltene Totenmesse wurde Sinatra am 20. Mai 1998 in Cathedral City in Kalifornien begraben.
Musikalische Bedeutung
Frank Sinatra, der selbst nie eine professionelle Gesangsausbildung erhielt und nach eigenem Bekunden auch in späteren Jahren nur rudimentär Noten lesen konnte, gilt bei vielen als der bedeutendste Songinterpret des 20. Jahrhunderts. Abgesehen davon, dass solche Wertungen mitunter subjektiv gefärbt sind, darf natürlich der Einfluss zahlreicher anderer Interpreten, deren Beitrag für die Entwicklung der Pop-Musik des 20. Jahrhunderts zeitweise ähnlich bedeutsam war, nicht unterschätzt werden. Zu nennen sind hier Bing Crosby, Ruth Etting, Al Jolson, Rudy Vallee oder Mabel Mercer und manch andere, die auch Sinatra selbst mehrfach als seine wesentlichen Idole bzw. stilbildenden Einflüsse für seine eigene Arbeit genannt hat.
Darüber hinaus bezog Sinatra, von Jugend an ein großer Liebhaber klassischer Musik, viele Inspirationen für seine eigenen Arbeiten vom Belcanto, besonders für seine von Anfang an ausgeprägten improvisatorischen Koloraturen. Sinatra selbst hat Mario Lanza und Enrico Caruso als diejenigen benannt, die er schon von Jugend an über ihre Aufnahmen „studiert“ habe. Gleiches gilt für die Lieder von Franz Schubert. Daneben war Sinatra mit an der New Yorker Metropolitan Opera erfolgreichen Opernsängern wie Lawrence Tibbett, Carlos Ramirez, Lauritz Melchior, Robert Merrill und Luciano Pavarotti befreundet, mit denen allen er auch zusammen aufgetreten ist und die ihm gelegentlich Tipps zur Verfeinerung seiner Gesangstechnik gaben.
Wenig bekannt ist, dass Sinatra auch diejenigen zeitgenössischen Orchester studierte, die neue Wege gingen, wie zum Beispiel Spike Jones, mit dem zusammen er einige Titel fürs Radio einspielte, oder Stan Kenton mit seinem experimentellen „Innovations Orchestra“ der frühen Fünfziger, dem Sinatra 1955 sogar ein eigenes Radiospecial (Biography In Sound: Sinatra On Kenton) widmete. All dies bestärkte Frank Sinatras eigenes Talent, jenseits vorgegebener Noten in die lyrische Improvisation eines Liedes einzutauchen und den Text eines Songs neben Melodie und Rhythmus zum gleichwertigen Bestandteil einer Aufnahme zu machen. Zumal im Balladenfach, aber auch im Bereich des Swing, wurde Sinatra damit stilbildend.
Aufgrund der „Effekte“, die er bei seinem Publikum hervorrief, setzen viele Sinatras musikalisches Wirken im Rahmen der Geschichte der Popkultur mit dem der Beatles und Elvis Presley mindestens gleich. Sinatra löste in den 40er-Jahren als Erster ein Phänomen aus, das nach ihm nur Elvis und die „Fabulous Four“ in einem ähnlichen Maße zu erzeugen imstande waren: Die Massenhysterie. Tausende junger Mädchen, die sogenannten „Bobbysoxers“, kippten (etwa anlässlich von Sinatras Konzertserie im New Yorker Paramount Theatre im Oktober 1944, den berühmt gewordenen Columbus Day Riots) reihenweise um, oder schrien und waren verzaubert, als sie ihren Star im Konzert auf der Bühne bewundern durften. Dabei tat Sinatra nichts anderes als viele andere Big-Band-Sänger der Zeit auch, nämlich romantische Lieder zu singen. Aber er hatte dabei, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, eben von Anfang an „das gewisse Etwas“ und läutete damit eine neue Ära in der Musiklandschaft ein. Vor allem Sinatra machte romantische Balladen modern, wo früher die Big Bands insofern maßgebend gewesen waren, als sie ihren jeweiligen „Stimmen“, also den Sängerinnen und Sängern, keine musikalische Hauptrolle beimaßen: Manche Stimmen sprechen sogar davon, Sinatra sei in diesem Sinne „der Tod der klassischen Big-Bands“ gewesen, indem er den Gesang in den Vordergrund rückte.
Gesanglich setzte Frank Sinatra mit vielen seiner Alben gleich mehrfach bis heute Maßstäbe, was Phrasierung, Timing und lyrische Tiefe betrifft. Das gilt bezeichnenderweise nicht nur für die Balladen, sondern auch und gerade für seine rhythmischen Improvisationen bei Liedern in schnellerem Tempo. Auf eine bestimmte „typische Technik“ lässt sich Sinatra dabei nie festlegen, „aber immer klingt es so, wie man spontan meint, dass es schon immer hätte klingen sollen“, wie Count Basie es einmal ausdrückte, wie es bei ihm aber auch viele andere Musikhörer weltweit bemerkt haben. Nicht umsonst soll Dionne Warwick einmal treffend über Sinatra bemerkt haben: „Er könnte den Menschen das Telefonbuch vorsingen, und es würde ihnen immer noch gefallen.“
Ginger Rogers, 1930. Foto: Eugene Robert Richee / Smithsonian National Portrait Gallery, CC0, via Wikimedia Commons.
Name
Ginger Rogers
Land
USA
Verbreitungsgrad
International
Bürgerlicher Name
Virginia Katherine McMath
Geboren
16. Juli 1911 in Independence, Missouri, USA
Gestorben
25. April 1995 in Rancho Mirage, Kalifornien
Awards
Tänzerin, Schauspielerin
Die Tochter der Drehbuchautorin Lela Rogers trat bereits im Alter von 14 Jahren als Tänzerin in Vaudeville-Shows auf und nahm bald darauf Rollen in Musicals in New York City an. Ihre erste Filmerfahrung machte sie mit einem Kurzauftritt in Campus Sweethearts 1929.
Durch ihren Erfolg als weibliche Hauptrolle im Broadway-Musical Girl Crazy wurde Paramount auf sie aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. So trat sie bis 1933 in verschiedenen Filmen auf, bis sie im Musical Flying Down to Rio auf Fred Astaire traf. Die beiden wurden ein populäres Gespann und waren 1936 auf Platz 3 der kassenträchtigsten Schauspieler in Amerika. Ginger versuchte früh, sich nicht auf das Image als Partnerin von Astaire festzulegen. Ihr Talent für leichte Komödien ließ sie deshalb rasch zu einem der größten Stars ihres Studios RKO werden. 1938 drehte sie gemeinsam mit Katharine Hepburn in dem Film Stage Door, für den sie ausgezeichnete Kritiken bekam. 1939 hatte sie einen ihrer größten Erfolge mit dem Film Bachelor Mother. Unzufrieden mit den meist leichten Drehbüchern verlangte sie zunehmend ernsthaftere Rollen. Für die Leistung in Kitty Foyle bekam sie zur allgemeinen Überraschung einen Oscar. Für ihre Darstellung einer Frau mit dubiosem Hintergrund in dem Melodrama Primrose Path gewann sie jedoch Lob und Anerkennung der Fachpresse. Joel McCrea war ihr Partner. Rogers verließ 1943 das Studio, obwohl man ihr einen neuen Vertrag mit 330.000 Dollar Gage pro Jahr versprach.
Bis zum Ende der 1940er Jahre war sie eine erfolgreiche Schauspielerin mit entsprechend hohen Gagen. Zu ihren bekannteren Rollen zählte die Verfilmung des Kurt-Weill-Musicals Lady in the Dark von 1944 sowie Weekend At The Waldorf, ein Remake von Grand Hotel aus dem Jahre 1945, in dem sie die Rolle von Greta Garbo übernahm. 1949 ersetzte sie die erkrankte Judy Garland und spielte ein letztes Mal mit Fred Astaire zusammen in dem Film Die Tänzer vom Broadway. Rogers konzentrierte sich daher auch zunehmend auf das Theater, mit dem sie sich immer noch verbunden fühlte. Erst im Jahr 1984 erklärte sie ihren Rückzug aus dem Showgeschäft. 1991 veröffentlichte sie ihre Autobiografie unter dem Titel Ginger, My Story.
Wettkampftänzer, Tanzlehrer, Trainer und Wertungsrichter
Auszeichnung
Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Michael Hull gehört zu den erfolgreichsten deutschen Allroundern des professionellen Tanzsports. Seine besondere Stärke war die Kombination aus Standard- und Lateintänzen: In der Königsdisziplin über zehn Tänze wurde er viermal Weltmeister. Darüber hinaus gewann er internationale Titel in Kürwettbewerben und prägte den Tanzsport später als Lehrer, Trainer, Wertungsrichter und Fernsehjuror.
Michael Anthony Hull wurde am 21. Juli 1959 in Bückeburg geboren und wuchs in einer tanzbegeisterten Familie auf. Seine Eltern Pat und Maureen Hull hatten sich 1948 in Singapur kennengelernt und selbst als Turnierpaar getanzt. Nach mehreren Ortswechseln gründeten sie 1966 in Osnabrück eine Tanzschule. Michael und seine Geschwister Damian und Patricia Anne, genannt Patsy, kamen dadurch früh mit Unterricht, Tanzveranstaltungen und Wettkampfsport in Berührung.
Seinen ersten Weltmeistertitel gewann Hull 1980 im Discotanz. Im selben Jahr begann seine langjährige Turnierpartnerschaft mit seiner Schwester Patsy Hull-Krogull. Das Paar trat sowohl in den fünf Standardtänzen als auch in den fünf lateinamerikanischen Tänzen an. Diese Vielseitigkeit ist für die Kombination über zehn Tänze entscheidend: Gefordert sind nicht nur unterschiedliche Techniken, sondern auch Kondition und die Fähigkeit, während eines Turniers zwischen zwei sehr verschiedenen Bewegungsstilen zu wechseln.
Hull und Hull-Krogull entwickelten sich in den 1980er-Jahren zu einem der führenden deutschen Paare dieser Disziplin. Nach deutschen Meistertiteln und zweiten Plätzen bei Welt- und Europameisterschaften gewannen sie 1987 im niederländischen Slagharen erstmals die Weltmeisterschaft der Professionals über zehn Tänze. Weitere WM-Siege in dieser Disziplin folgten 1989 und 1990. Dazu kamen Europameisterschaften, World-Cup-Erfolge und deutsche Meistertitel.
Auch in Kürwettbewerben war Hull erfolgreich. Anders als im klassischen Turnierablauf präsentieren Paare dort eine eigens zusammengestellte Choreografie zu ausgewählter Musik. Hull gewann Weltmeistertitel in der Standardkür und später in der Lateinkür. Diese Erfolge unterstreichen, dass seine Laufbahn nicht allein von technischer Breite, sondern ebenso von choreografischer Gestaltung und Präsentation geprägt war.
Die Partnerschaft mit Patsy endete 1991. Von 1992 bis 1994 tanzte Hull mit der Norwegerin Linda Pettersen. Das Paar wurde 1993 in Miami Beach und 1994 in Bielefeld jeweils Vizeweltmeister über zehn Tänze. In dieser Zeit gewann Hull außerdem weitere Titel, darunter Weltmeisterschaften in der Lateinkür sowie nationale und europäische Wettbewerbe.
Seine letzte aktive Turnierpartnerschaft bildete Hull von 1996 bis 1998 mit Mirjam Zwijsen. Zum Abschluss seiner Laufbahn gelang noch einmal der größte Erfolg in der Kombination: Bei der Weltmeisterschaft 1998 in der Dortmunder Westfalenhalle gewann das Paar den Titel über zehn Tänze. Damit errang Hull seinen vierten WM-Titel in dieser Disziplin. Nach dem Sieg beendete er 1998 seine aktive Wettkampfkarriere.
Dem Tanz blieb Hull beruflich eng verbunden. Im Familienunternehmen in Osnabrück und Lübbecke arbeitet er als ADTV-Tanzlehrer, Ausbilder und Referent. Zu seinen Tätigkeitsfeldern gehören neben dem Gesellschafts- und Turniertanz auch Tango Argentino, Umgangsformen und Moderation. Seine Erfahrungen aus dem Spitzensport gibt er damit nicht nur an Turnierpaare, sondern ebenso an Tanzlehrer und Freizeittänzer weiter.
Einem breiten Fernsehpublikum wurde Hull als Juror der RTL-Sendung Let’s Dance bekannt. Er gehörte 2006 und 2007 in den ersten beiden Staffeln zur Jury. Dort bewertete er die Auftritte prominenter Teilnehmer und ihrer professionellen Tanzpartner. RTL stellte ihn 2007 als international erfolgreichen Standard- und Lateintänzer mit jahrzehntelanger Turniererfahrung vor.
Neben Tanzsport und Unterricht engagiert sich Hull gemeinsam mit seiner Schwester für gesellschaftliche Teilhabe. Er ist Gründer und Vorsitzender der Patsy & Michael Hull Foundation, die inklusive Projekte unterstützt und Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung fördert. Für dieses soziale Engagement erhielten Michael Anthony Hull und Patricia Anne Hull-Krogull 2013 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Hulls Laufbahn zeigt, wie anspruchsvoll die Verbindung beider großen Turniersektionen ist. Vier Weltmeisterschaften über zehn Tänze, weitere Titel in Kürdisziplinen und seine spätere Arbeit als Vermittler des Tanzens machen ihn zu einer prägenden Persönlichkeit des deutschen Tanzsports.
Ausgewählte Erfolge
1980: Weltmeister im Discotanz
1987, 1989 und 1990: Weltmeister der Professionals über zehn Tänze mit Patsy Hull-Krogull
1990 und 1991: Weltmeister in der Standardkür
1993 und 1994: Vizeweltmeister über zehn Tänze mit Linda Pettersen
1993 und 1994: Weltmeister in der Lateinkür
1998: Weltmeister der Professionals über zehn Tänze mit Mirjam Zwijsen
Mehrfacher Europa-, World-Cup- und Deutscher Meister
2013: Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
französische Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin
Josephine Baker wurde als uneheliche Tochter des jüdischen Schlagzeugers Eddie Carson und der Waschfrau Carrie McDonald in St. Louis, Missouri, geboren. Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Von ihrer Mutter wird sie Tumpie genannt. Der Spitzname Tumpie ist eine Abwandlung des Namens Humpty Dumpty aus dem Kinderbuch Alice hinter den Spiegeln von Lewis Carroll. 1907 wird ihr Bruder Richard geboren und der Vater verlässt im gleichen Jahr die Familie. 1911 heiratet die Mutter ein zweites Mal und Josephine bekommt zwei Halbgeschwister aus dieser Ehe. Sie und ihr Bruder Richard werden von ihrem Stiefvater Arthur Martin adoptiert. Am 2. Juli 1917 erlebt Baker ein Pogrom in St. Louis mit, bei dem nach unterschiedlichen Berichten bis zu hundert Menschen ermordet werden. Dieses Erlebnis prägt sie so stark, dass sie später zu einer engagierten Kämpferin gegen Rassismus wird. Im Alter von 13 Jahren wird sie von ihrer Mutter mit dem um viele Jahre älteren Willie Wells verheiratet. Im gleichen Jahr hat sie ihre ersten Auftritte als Komparsin im Booker Washington Theatre in St. Louis. Die Ehe mit Wells hält nur einige Wochen. 1921 heiratet sie den Zugbegleiter Willie Baker, den sie zwar 1925 verlässt, dessen Nachnamen sie aber zeitlebens behält.
Ihre Laufbahn begann mit 16 Jahren am Standard Theatre in Philadelphia. Anschließend ging sie nach New York und erhielt ein Engagement in einer Vaudeville-Truppe, mit der sie ein halbes Jahr durch die USA tourte. Von 1923 bis 1924 war sie Chorus-Girl in der musikalischen Komödie Shuffle Along in New York und trat dann in der schwarzen Revue The Chocolate Dandies auf. In New York machte die Baker auch die Bekanntschaft des damals in den USA äußerst populären und bekannten deutschen Dichters Karl Gustav Vollmoeller. Dieser ist seit vielen Jahren als Talentsucher und -förderer für Tänzerinnen und Schauspielerinnen tätig. Er vermittelt der Baker Engagements in Berlin und Paris. Nach Auftritten im New Yorker Plantation Club verpflichtete sie sich für La Revue Nègre, die am 2. Oktober 1925 in Paris im Théâtre des Champs-Élysées Premiere hatte.
Mit ihrem Tanz eroberte sie das Pariser Publikum im Sturm, das erstmals einen Charleston zu sehen bekam. André Levinson schrieb begeistert: „Josephine ist kein groteskes schwarzes Tanzgirl mehr, sondern jene schwarze Venus, die den Dichter Baudelaire in seinen Träumen heimsuchte.“ Weitere Stationen mit La Revue Nègre waren Brüssel und Berlin, wo sie am 14. Januar 1926 im Nelson-Theater am Kurfürstendamm erstmals in Deutschland auftrat. Anlässlich ihres Engagements in Berlin ist die Baker ständiger Gast in Karl Gustav Vollmoellers Berliner Wohnsitz am Pariser Platz. Wie es anlässlich dieser Treffen zuging, hat Harry Kessler in einigen seiner Tagebucheintragungen festgehalten, so am 13. Februar 1926: „Um eins, nachdem gerade meine Gäste gegangen waren, rief Max Reinhardt an, er sei bei Vollmoeller, sie bäten mich beide, ob ich nicht noch hinkommen könne? Miss Baker sei da, und nun sollten noch fabelhafte Dinge gemacht werden. Ich fuhr also zu Vollmoeller in seinen Harem am Pariser Platz und fand dort außer Reinhardt und Huldschinsky zwischen einem halben Dutzend nackter Mädchen auch Miß Baker, ebenfalls bis auf einen roten Mullschurz völlig nackt, und die kleine Landshoff (eine Nichte von Sammy Fischer) als Junge im Smoking (…) Die nackten Mädchen lagen oder tänzelten zwischen den vier oder fünf Herren im Smoking herum, und die kleine Landshoff, die wirklich wie ein bildschöner Junge aussieht, tanzte mit der Baker moderne Jazztänze zum Grammophon.“ 1926 und 1927 war sie der Star der Folies Bergère. Sie trat in zwei Revuen von Louis Kenarchand auf, in der sie mit ihrem berühmten Bananenröckchen tanzte.
Ende 1926 heiratete sie öffentlichkeitswirksam den sizilianischen Steinmetz Giuseppe Pepito Abatino, der zuvor bereits künstlerisch in ihren Shows mitwirkte. Abatino, der sich als Graf Di Albertini ausgab, wurde zu Josephine Bakers Geliebtem und Manager. Baker trug nun aus Gründen der Publicity als erste schwarze Amerikanerin einen europäischen Adelstitel. Der österreichische Architekt Adolf Loos entwarf 1928 ein Haus für Josephine Baker mit schwarz-weiß gestreifter Marmorfassade, das jedoch nie gebaut wurde. Wegen ihrer unglaublichen Kostüme und Tänze erhielt sie Auftrittsverbote in Wien, Prag, Budapest und München, was sie umso interessanter für das Publikum machte. An Bord des Schiffes „Giulio Cesare“ sang sie in der Kabine für Le Corbusier, der sie nackt zeichnete und daraufhin neue Bauten aus dem Geiste ihres Tanzes forderte; er baute nach der Begegnung die „Villa Savoye“.
Nach einer Tournee durch Osteuropa und Südamerika trat sie vor allem als Sängerin in Erscheinung. „J’ai deux amours“, „Aux Îles Hawaï“ und „Pretty Little Baby“ zählten zu ihren erfolgreichsten Liedern. Sie spielte u. a. die Hauptrolle in den Filmen La Sirène des Tropiques 1927, Zouzou 1934 und Princesse Tam-Tam 1935. Schnell wurde sie zur erfolgreichsten US-amerikanischen Unterhalterin in Frankreich, wohingegen sie in den USA unter Rassenvorurteilen zu leiden hatte. 1936 fiel sie in den USA mit einer Show der Ziegfeld Follies durch, worunter sie sehr litt.
1937 nahm Josephine Baker die französische Staatsbürgerschaft an. Die Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs verbrachte sie in Frankreich und Nordafrika. Sie trat vor französischen Truppen auf und arbeitete für die Résistance und den Geheimdienst. Sie machte den Pilotenschein, wurde Leutnant und erhielt nach Kriegsende u. a. die Rosette der Legion d’honneur. 1947 heiratete sie ihren Orchesterleiter Jo Bouillon. Sie blieben bis 1957 zusammen und wurden 1961 geschieden.
Obwohl sie in Frankreich lebte, unterstützte sie die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung schon in den fünfziger Jahren. Sie protestierte auf ungewöhnliche Weise gegen Rassismus, indem sie zwölf Waisenkinder unterschiedlicher Hautfarben adoptierte: die Jungen Akio (Koreaner), Janot (Japaner), Luis (Kolumbianer), Jarry (Finne), Jean-Claude (Kanadier), Moïse (Franzose und Jude), Koffi (Ivorer), Mara (Venezolaner), Noël (Franzose) und Brahim (Algerier) sowie die Mädchen Marianne (Französin) und Stellina (Marokkanerin). Auf diese Weise gründete sie eine Familie (von ihr als „Regenbogenfamilie“ bezeichnet), mit der sie, manchmal unter schwierigen finanziellen Bedingungen, auf Schloss Les Milandes im südfranzösischen Perigord lebte. 1956 kündigte sie ihren Rückzug von der Bühne an, feierte aber 1961 schon ihr Comeback und trat 1973 erfolgreich in der Carnegie Hall auf.
1960 wurde Josephine Baker Mitglied der Freimaurerei in der Loge Nouvelle Jérusalem der Grande Loge Féminine de France.
Am 8. April 1975 war die Premiere ihrer Show Joséphine, in der sie ihr fünfzigjähriges Bühnen-Jubiläum feierte. Kurz darauf erlitt sie eine Gehirnblutung, an deren Folgen sie am 12. April starb.
Josephine Baker schrieb mehrere Autobiografien, die jeweils eine andere Geschichte über ihre Karriere und ihre Familie beinhalteten.
Sie wurde mit einem französischen Militärbegräbnis geehrt. Sie liegt in Monaco begraben.