| Name | Michael Hull |
| Land | Deutschland |
| Verbreitungsgrad | International |
| Bürgerlicher Name | Michael Anthony Hull |
| Geboren | 21. Juli 1959 in Bückeburg |
| Tätigkeit | Wettkampftänzer, Tanzlehrer, Trainer und Wertungsrichter |
| Auszeichnung | Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland |
Michael Hull gehört zu den erfolgreichsten deutschen Allroundern des professionellen Tanzsports. Seine besondere Stärke war die Kombination aus Standard- und Lateintänzen: In der Königsdisziplin über zehn Tänze wurde er viermal Weltmeister. Darüber hinaus gewann er internationale Titel in Kürwettbewerben und prägte den Tanzsport später als Lehrer, Trainer, Wertungsrichter und Fernsehjuror.
Michael Anthony Hull wurde am 21. Juli 1959 in Bückeburg geboren und wuchs in einer tanzbegeisterten Familie auf. Seine Eltern Pat und Maureen Hull hatten sich 1948 in Singapur kennengelernt und selbst als Turnierpaar getanzt. Nach mehreren Ortswechseln gründeten sie 1966 in Osnabrück eine Tanzschule. Michael und seine Geschwister Damian und Patricia Anne, genannt Patsy, kamen dadurch früh mit Unterricht, Tanzveranstaltungen und Wettkampfsport in Berührung.
Seinen ersten Weltmeistertitel gewann Hull 1980 im Discotanz. Im selben Jahr begann seine langjährige Turnierpartnerschaft mit seiner Schwester Patsy Hull-Krogull. Das Paar trat sowohl in den fünf Standardtänzen als auch in den fünf lateinamerikanischen Tänzen an. Diese Vielseitigkeit ist für die Kombination über zehn Tänze entscheidend: Gefordert sind nicht nur unterschiedliche Techniken, sondern auch Kondition und die Fähigkeit, während eines Turniers zwischen zwei sehr verschiedenen Bewegungsstilen zu wechseln.
Hull und Hull-Krogull entwickelten sich in den 1980er-Jahren zu einem der führenden deutschen Paare dieser Disziplin. Nach deutschen Meistertiteln und zweiten Plätzen bei Welt- und Europameisterschaften gewannen sie 1987 im niederländischen Slagharen erstmals die Weltmeisterschaft der Professionals über zehn Tänze. Weitere WM-Siege in dieser Disziplin folgten 1989 und 1990. Dazu kamen Europameisterschaften, World-Cup-Erfolge und deutsche Meistertitel.
Auch in Kürwettbewerben war Hull erfolgreich. Anders als im klassischen Turnierablauf präsentieren Paare dort eine eigens zusammengestellte Choreografie zu ausgewählter Musik. Hull gewann Weltmeistertitel in der Standardkür und später in der Lateinkür. Diese Erfolge unterstreichen, dass seine Laufbahn nicht allein von technischer Breite, sondern ebenso von choreografischer Gestaltung und Präsentation geprägt war.
Die Partnerschaft mit Patsy endete 1991. Von 1992 bis 1994 tanzte Hull mit der Norwegerin Linda Pettersen. Das Paar wurde 1993 in Miami Beach und 1994 in Bielefeld jeweils Vizeweltmeister über zehn Tänze. In dieser Zeit gewann Hull außerdem weitere Titel, darunter Weltmeisterschaften in der Lateinkür sowie nationale und europäische Wettbewerbe.
Seine letzte aktive Turnierpartnerschaft bildete Hull von 1996 bis 1998 mit Mirjam Zwijsen. Zum Abschluss seiner Laufbahn gelang noch einmal der größte Erfolg in der Kombination: Bei der Weltmeisterschaft 1998 in der Dortmunder Westfalenhalle gewann das Paar den Titel über zehn Tänze. Damit errang Hull seinen vierten WM-Titel in dieser Disziplin. Nach dem Sieg beendete er 1998 seine aktive Wettkampfkarriere.
Dem Tanz blieb Hull beruflich eng verbunden. Im Familienunternehmen in Osnabrück und Lübbecke arbeitet er als ADTV-Tanzlehrer, Ausbilder und Referent. Zu seinen Tätigkeitsfeldern gehören neben dem Gesellschafts- und Turniertanz auch Tango Argentino, Umgangsformen und Moderation. Seine Erfahrungen aus dem Spitzensport gibt er damit nicht nur an Turnierpaare, sondern ebenso an Tanzlehrer und Freizeittänzer weiter.
Einem breiten Fernsehpublikum wurde Hull als Juror der RTL-Sendung Let’s Dance bekannt. Er gehörte 2006 und 2007 in den ersten beiden Staffeln zur Jury. Dort bewertete er die Auftritte prominenter Teilnehmer und ihrer professionellen Tanzpartner. RTL stellte ihn 2007 als international erfolgreichen Standard- und Lateintänzer mit jahrzehntelanger Turniererfahrung vor.
Neben Tanzsport und Unterricht engagiert sich Hull gemeinsam mit seiner Schwester für gesellschaftliche Teilhabe. Er ist Gründer und Vorsitzender der Patsy & Michael Hull Foundation, die inklusive Projekte unterstützt und Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung fördert. Für dieses soziale Engagement erhielten Michael Anthony Hull und Patricia Anne Hull-Krogull 2013 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Hulls Laufbahn zeigt, wie anspruchsvoll die Verbindung beider großen Turniersektionen ist. Vier Weltmeisterschaften über zehn Tänze, weitere Titel in Kürdisziplinen und seine spätere Arbeit als Vermittler des Tanzens machen ihn zu einer prägenden Persönlichkeit des deutschen Tanzsports.
Ausgewählte Erfolge
- 1980: Weltmeister im Discotanz
- 1987, 1989 und 1990: Weltmeister der Professionals über zehn Tänze mit Patsy Hull-Krogull
- 1990 und 1991: Weltmeister in der Standardkür
- 1993 und 1994: Vizeweltmeister über zehn Tänze mit Linda Pettersen
- 1993 und 1994: Weltmeister in der Lateinkür
- 1998: Weltmeister der Professionals über zehn Tänze mit Mirjam Zwijsen
- Mehrfacher Europa-, World-Cup- und Deutscher Meister
- 2013: Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Quellen:
- Hull Dance & Events: Geschichte der Familie und Tanzschule Hull
- WDDSc-Archiv: World Professional Ten Dance Championship 1987
- WDDSc-Archiv: World Professional Ten Dance Championship 1993
- WDDSc-Archiv: World Professional Ten Dance Championship 1994
- WDDSc-Archiv: World Professional Ten Dance Championship 1998
- RTL-Archiv: Jury der zweiten Let’s-Dance-Staffel, 2007
- Bundespräsidialamt: Bekanntgabe der Verleihungen vom 1. August 2013
- Wikipedia: Michael Hull, mit weiterführenden Ergebnis- und Quellenangaben