Kategorie: Allgemeines

  • Wilde Geschichten?

    Man hört ja immer die wildesten Geschichten rund um das Tanzen.

    Was Benehmen und so weiter betrifft, kann ich euch versichern: Es ist alles ganz normal. Was anderswo Sitte ist, das ist auch dort Sitte. Aber nun zu den Tipps für Neulinge. Diese Dinge sind zwar meist Banalitäten, aber vielleicht doch ganz nützlich für denjenigen, der noch nie eine Tanzschule von innen gesehen hat.

  • Was tanzt man denn auf dieses Lied?

    Das kommt darauf an. Achtet einfach auf die erfahrenen Tänzer. Die können aus Arrangement und Rhythmus des Liedes schon heraushören, was am besten passt.

    Das bedeutet aber nicht, dass man auf einen Cha-Cha-Cha nicht auch Discofox tanzen könnte. Es wird euch auf keinen Fall jemand die Rübe abreißen, wenn ihr etwas anderes tanzt als die meisten auf der Tanzfläche. Es gibt nämlich wirklich Stücke, bei denen die Zuordnung nicht so einfach oder eindeutig ist. An dieser Stelle sagt der DJ aber meist etwas dazu. Dann hat sich die Sache auch wieder erledigt.

    Weitere Anregungen könnt ihr natürlich auch in unserer Tanzdatenbank finden. Dort haben wir für fast alle Tänze bekannte Songs zusammengestellt. Damit wird es ein Leichtes sein, ein passendes Stück zu finden.

  • Der Typ da auf der Tanzfläche ist wie die Axt im Walde!

    Wie soll ich mich auf der Tanzfläche verhalten? Dafür gibt es in der Tat ein paar Regeln.

    Diese Regeln dienen aber nur dazu, Unfällen und Kollisionen vorzubeugen. Bei einem bewegten Tanz wird immer gegen den Uhrzeigersinn getanzt. Lateintänze werden meist auf der Stelle getanzt. Da sucht man sich halt eine freie Stelle und tanzt dort. Wenn mehr los ist, dann muss man bei den Figuren aufpassen und einfach die Schritte etwas kleiner machen. Da der Mann führt, ist es auch seine Aufgabe, Kollisionen zu vermeiden. Er sollte Blickkontakt aufnehmen und schauen, wo es hingehen soll. Wenn es doch einmal gekracht hat, sollte man sich dafür entschuldigen. Eine kleine Geste ist da schon ausreichend.

  • Wie, was? Mit dir soll ich tanzen?

    Ein leidiges Thema ist es, eine Frau zum Tanz zu bitten. Wie soll das ablaufen, und was ist, wenn ich einen Korb bekomme? Nun, keine Panik. Das wird kaum geschehen. Es ist ein kleines ungeschriebenes Gesetz, dass man einer Aufforderung immer nachkommen sollte.

    Denke einfach mal daran: Wenn du jemandem einen Korb gibst, was passiert dann bei deiner nächsten Aufforderung? Auch die Damen können sich dann nicht so einfach herausreden: „Wir fordern doch nicht auf.“ Das ist nicht so. Auch Damen bitten wie Herren zum Tanz. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel. Wie sollst du mit jemandem tanzen, wenn du diesen Tanz noch gar nicht gelernt hast? Das klappt dann halt nicht. Das Gleiche gilt, wenn du dich gerade völlig erschöpft hingesetzt hast. Dann kann man selbstredend auf später vertrösten. Nur sollte man dann auch hingehen und das Versprechen einlösen.

  • Und was soll ich da anziehen?

    Für das Tanzen außerhalb von Turnieren ist es nicht notwendig, sich aufwendig fein zu machen. Bequeme, normale Kleidung ist vollkommen ausreichend. Wie immer und überall gelten die normalen Gesellschaftsregeln: Erlaubt ist, was gefällt. Jeans und Sweatshirt habe ich schon genauso oft gesehen wie Bundfaltenhose und Hemd.

    Was ich noch nicht auf Tanzabenden in der Tanzschule gesehen habe, ist ein echtes Tanzkleid oder Extremkleidung von Randgruppen (Punk, Gruftie). Nur mit den Schuhen ist das so eine Sache. Mit Turnschuhen wird man euch wohl kaum auf das Parkett lassen. Aber normale Slipper mit Ledersohle sind schon okay. Echte Tanzschuhe haben den Vorteil einer Wildledersohle, die optimalen Halt bei brauchbarer Drehfähigkeit bietet. Aber die habe ich auch erst im zweiten Jahr gekauft.

    Wie gesagt, der oben genannte „Dresscode“ ist für den Übungsabend in der Tanzschule. Auf Tanzbällen ist das schon etwas anders. Da sind für den Herrn mindestens eine Stoffhose, ein Hemd und ein Sakko angesagt. Ein Anzug wäre besser, ist aber nicht zwingend. Herren im Smoking habe ich auch schon gesehen, wobei dieser unbedingt bequem sitzen sollte. Für Damen gilt, einfach gesagt: ein Abendkleid. Eine feine Bluse mit Rock ist schon eher „underdressed“. Ihr werdet euch auch im kleinen Schwarzen oder im Cocktailkleid gut angezogen fühlen. Jedenfalls haben meiner Meinung nach auf einem Standard-/Lateintanzball eine Jeans und/oder ein Sweatshirt nichts verloren.

    Bei den großen Swing- oder Boogie-Veranstaltungen haben die meisten Leute Kleider im Stil der 1930er-Jahre an. Auch Jeans mit Boogie-Hemd habe ich schon gesehen. Das ist aber meiner Meinung nach nicht passend. Alles in allem ist der „Dresscode“ auf einem Swingball lockerer als bei einem Standard-/Lateinball, aber auch hier ist weder ein Pulli noch ein Sweatshirt passend.

  • Warum tanzen?

    „Hey, die Figur ist aber toll! Wo hast du denn das gelernt?“ So beginnt manche Unterhaltung am Rand einer Tanzfläche. Die bessere Frage lautet vielleicht: Warum stehen wir eigentlich nicht alle längst darauf? Tanzen verbindet Dinge, die sonst gerne auf verschiedene Termine verteilt werden: Bewegung, Musik, Konzentration, Begegnung und eine ordentliche Portion Spaß.

    Für mich bedeutet Tanzen zunächst, sich zur Musik zu bewegen. Das klingt einfach, und im Grunde ist es das auch. Ein Grundschritt muss nicht spektakulär sein. Entscheidend ist der Moment, in dem aus Zählen Bewegung wird und die Musik plötzlich nicht mehr nur aus dem Lautsprecher kommt, sondern durch die Füße geht. Wer dabei Freude empfindet, besitzt bereits die wichtigste Voraussetzung. Rhythmusgefühl, Haltung und Figuren kann man lernen. Begeisterung lässt sich schwerer unterrichten.

    Bewegung, die nicht nach Training aussieht

    Je nach Tanz und Tempo kann ein Abend vom gemütlichen Walzer bis zum schweißtreibenden Boogie Woogie alles bieten. Beine und Rumpf arbeiten, der Kreislauf kommt in Schwung, und bei Drehungen sind Gleichgewicht und Körperkontrolle gefragt. Anders als bei mancher Sportübung zählt man dabei selten die letzten zehn Sekunden bis zum Ende. Meist wundert man sich eher, warum das Lied schon vorbei ist.

    Dass diese Bewegung mehr ist als nur ein angenehmer Zeitvertreib, zeigen auch Untersuchungen. Eine systematische Übersicht über 18 Tanzprogramme mit älteren Erwachsenen fand besonders häufig Verbesserungen bei Muskelkraft und Ausdauer, Gleichgewicht und allgemeiner körperlicher Leistungsfähigkeit. Die einzelnen Studien waren unterschiedlich aufgebaut und nicht alle gleich aussagekräftig. Das Ergebnis ist deshalb kein Versprechen für jeden Tänzer, aber ein guter Hinweis darauf, dass regelmäßiges Tanzen eine vernünftige Form körperlicher Aktivität sein kann.

    Der Kopf tanzt mit

    Beim Tanzen hat das Gehirn keine Gelegenheit, sich gelangweilt in eine Ecke zu setzen. Es muss Musik und Takt verarbeiten, Schrittfolgen abrufen, Bewegungen planen, den Raum beobachten und beim Paartanz auch noch auf einen zweiten Menschen reagieren. Kommt eine neue Figur hinzu, beginnt das Ganze von vorn. Was im Kurs zunächst wie ein Knoten aus Armen und Beinen wirkt, läuft nach einiger Übung beinahe von selbst. Genau dieses Lernen macht einen großen Teil des Reizes aus.

    Eine kleine Studie aus Magdeburg verglich bei gesunden älteren Menschen über 18 Monate ein Tanzprogramm mit herkömmlichem Fitnesstraining. In beiden Gruppen zeigten sich Veränderungen in Bereichen des Hippocampus, einer für Lernen und Gedächtnis wichtigen Hirnregion. Nur die Tanzgruppe verbesserte sich jedoch deutlich im untersuchten Gleichgewichtstest. Das ist interessant, aber kein Beweis dafür, dass Tanzen Demenz verhindert. Dafür war die Gruppe mit 26 Personen viel zu klein. Es zeigt vielmehr, wie viele körperliche und geistige Aufgaben beim Tanzen gleichzeitig zusammenspielen.

    Ein Gespräch ohne viele Worte

    Paartanz ist Kommunikation. Einer schlägt eine Richtung oder Figur vor, der andere nimmt das Signal auf und antwortet mit seiner Bewegung. Gute Führung bedeutet dabei nicht Schieben und Ziehen, sondern ein klares, angenehmes Angebot. Ebenso wichtig ist aufmerksames Folgen. Wenn beides gelingt, entsteht für ein paar Minuten ein Gespräch, für das niemand den passenden Satz suchen muss.

    Viele Menschen gehen tatsächlich in einen Tanzkurs, um andere kennenzulernen. Warum auch nicht? Beim Tanzen ergibt sich der Kontakt nicht mühsam aus einem erfundenen Gesprächsanlass, sondern aus einer gemeinsamen Aufgabe. Man übt miteinander, verwechselt zusammen die Füße und hat sofort etwas zu lachen. Aus Tanzbekanntschaften können Freundschaften, Trainingsgemeinschaften und manchmal auch Partnerschaften entstehen. Das sollte nicht der einzige Grund zum Tanzen sein, ist aber ganz sicher kein schlechter.

    Abschalten, ohne stillzusitzen

    Wer versucht, im richtigen Takt einen Richtungswechsel zu führen, kann gleichzeitig nur schwer die unbeantworteten E-Mails des Tages durchgehen. Tanzen verlangt Aufmerksamkeit für den Augenblick. Musik, Bewegung und Kontakt holen den Kopf aus dem Alltag, wenigstens für die Dauer eines Liedes. Eine Metaanalyse von 41 kontrollierten Studien fand positive Wirkungen von Tanz und Tanztherapie auf verschiedene psychologische Gesundheitsmaße. Die Ergebnisse unterschieden sich allerdings deutlich zwischen den Studien. Tanzen ersetzt deshalb keine notwendige Behandlung, kann Wohlbefinden und Lebensqualität aber sinnvoll unterstützen.

    Dazu kommt etwas, das in Tabellen nur schwer zu messen ist: Tanzen erlaubt Ausdruck. Ein Tango fühlt sich anders an als ein Quickstep, ein Blues anders als eine Salsa. Man kann elegant, verspielt, ruhig oder ausgelassen tanzen, ohne dafür eine Erklärung abgeben zu müssen. Selbst eine feste Schrittfolge lässt genügend Platz für eine eigene Haltung zur Musik. Und wenn dabei eine neue Figur entsteht, war es selbstverständlich Improvisation und kein Fehler.

    Welcher Tanz ist der richtige?

    Der Tanz, dessen Musik du gerne hörst. Wer Swing liebt, wird mit Lindy Hop oder Boogie Woogie wahrscheinlich glücklicher als in einem Kurs, dessen Lieder ihn kaltlassen. Wer es ruhig und innig mag, kann beim Tango Argentino landen. Salsa ist gesellig und temperamentvoll, Standardtänze bieten Haltung und Raum, und beim freien Tanzen braucht man weder Partner noch Figurenkatalog. Alter, Statur und vermeintliches Talent sind weniger wichtig als ein Kurs, dessen Tempo und Atmosphäre passen.

    Am Anfang wird man Schritte vergessen, auf die falsche Seite starten und gelegentlich dort stehen, wo gerade der Partner hinwollte. Das gehört dazu. Niemand kommt als fertiger Tänzer zur ersten Stunde. Wer regelmäßig übt, merkt bald, dass der Körper Bewegungen versteht, über die der Kopf anfangs lange nachdenken musste.

    Warum also tanzen? Weil Bewegung mit Musik leichter fällt. Weil der Kopf beschäftigt ist, ohne dass es sich nach Arbeit anfühlt. Weil man anderen Menschen begegnet. Weil ein gelungener gemeinsamer Takt ein kleines Erfolgserlebnis ist. Vor allem aber: weil Tanzen Spaß macht. Das ist wissenschaftlich vielleicht der am schwersten zu messende Grund, auf der Tanzfläche aber immer noch der überzeugendste.

    Wer noch mehr Argumente sucht, findet sie im älteren Beitrag Die zehn besten Gründe, um Lindy Hop zu tanzen. Viel besser ist allerdings der Selbstversuch: Musik an, Platz schaffen und anfangen.

    Quellen