
Salsa ist wohl einer der geselligsten Tänze überhaupt. Kaum erklingen die ersten Schläge von Conga, Clave und Klavier, füllt sich die Tanzfläche. Dabei wirkt Salsa temperamentvoll und spontan, ohne nur aus möglichst schnellen Drehungen zu bestehen. Gute Salsa ist ein Gespräch im Paar: Der eine gibt eine Bewegungsidee, der andere nimmt sie auf, und beide spielen gemeinsam mit der Musik.
Wer nach dem einen Geburtsort der Salsa sucht, macht es sich allerdings zu einfach. Ihre Wurzeln liegen vor allem in Kuba und anderen Teilen der Karibik. Im Son Cubano verbanden sich spanische Melodien und Gitarrentraditionen mit afrikanischen Rhythmen und dem Wechselgesang von Ruf und Antwort. Dazu kamen Einflüsse aus Danzón, Rumba, Mambo und Cha-Cha-Cha. Aus dieser Mischung entwickelten sich Musik und Tänze, die später unter dem Namen Salsa weltweit bekannt wurden.
Die entscheidende zweite Heimat der Salsa wurde New York. Seit den 1920er-Jahren zogen viele Menschen aus Kuba und Puerto Rico dorthin und brachten ihre Musik mit. In den 1940er- und 1950er-Jahren trafen afrokaribische Rhythmen auf Jazz und die Klangkraft amerikanischer Big Bands. Musiker wie Machito, Tito Puente, Tito Rodríguez und später Eddie Palmieri entwickelten daraus einen unverwechselbaren New Yorker Sound. Der verwandte Mambo war dabei eine der wichtigsten Brücken zur Salsa.
Das spanische Wort „salsa“ bedeutet eigentlich Soße. Als Name passt es erstaunlich gut, denn auch musikalisch werden viele Zutaten miteinander vermischt. Verbreitet wurde die Bezeichnung in den 1960er- und 1970er-Jahren besonders durch Johnny Pacheco und das Plattenlabel Fania Records. Die Musik selbst war da keineswegs neu. Neu war vor allem der griffige Sammelbegriff, unter dem kubanische, puerto-ricanische und New Yorker Einflüsse gemeinsam vermarktet wurden. Mit den Fania All Stars und Künstlern wie Celia Cruz, Héctor Lavoe, Willie Colón und Rubén Blades trat die Salsa ihren Weg um die Welt an.
Salsamusik steht im 4/4-Takt, wird beim Tanzen aber meist über acht Schläge gezählt. Auf diesen acht Zählzeiten werden gewöhnlich sechs Schritte getanzt; auf zwei Zählzeiten bleibt Zeit für eine Pause, eine Gewichtsverlagerung oder eine musikalische Verzierung. Der Grundschritt führt vor und zurück oder, je nach Stil, zur Seite. Wichtig ist nicht die Größe der Schritte, sondern ein klarer Gewichtswechsel. Die typische Hüftbewegung entsteht dabei weitgehend von selbst und sollte nicht künstlich aufgesetzt werden.
Eine besondere Rolle spielt die Clave. Dieses meist von zwei Holzstäben gespielte Rhythmusmuster kann über zwei Takte in einer 2-3- oder 3-2-Folge liegen und bildet gewissermaßen das Gerüst der Musik. Darüber legen Congas ihren Tumbao, das Klavier wiederholt ein Montuno, und Bass, Timbales, Bongos und Bläser ergänzen das rhythmische Geflecht. Am Anfang hört man vielleicht nur eine Menge Schlaginstrumente. Mit etwas Übung entdeckt man darin aber immer mehr Orientierungspunkte für Schritte, Pausen und Figuren.

Beim Timing scheiden sich gerne die Geister. LA-Style und viele Formen der kubanischen Salsa werden häufig „On 1“ getanzt, der Richtungswechsel beginnt also auf dem ersten Taktschlag. New-York-Style wird meist „On 2“ getanzt und betont damit stärker den zweiten Schlag beziehungsweise die Verbindung zum Mambo. Beides ist richtig. Schwierig wird es nur, wenn die beiden Partner unterschiedliche Vorstellungen davon haben, auf welcher Zählzeit sie eigentlich beginnen wollen.
So unterschiedlich wie die Musik sind auch die Tanzstile:
- Cuban Style oder Casino: Das Paar bewegt sich eher kreisförmig umeinander. Die Haltung ist locker, die Körperbewegung deutlich, und Einflüsse aus Son und afro-kubanischer Rumba sind gut zu erkennen.
- Rueda de Casino: Mehrere Paare tanzen im Kreis. Ein Cantante ruft die Figuren aus, und bei vielen Kommandos werden die Partner gewechselt. Wenn alle dasselbe Kommando verstehen, sieht das großartig aus; wenn nicht, wird es immerhin lustig.
- LA-Style: Dieser Stil wird meist On 1 und auf einer geraden Linie, dem sogenannten Slot, getanzt. Er wirkt dynamisch und showbetont und enthält oft schnelle Drehungen, Stops und akrobatisch anmutende Figuren.
- New-York-Style: Ebenfalls ein linearer Stil, aber meist On 2 getanzt. Er ist eng mit dem Mambo verbunden und legt viel Wert auf elegante Drehungen, Musikalität und „Shines“, also frei getanzte Schrittfolgen ohne Handverbindung.
- Cali-Style: Die kolumbianische Variante ist für ihre sehr schnelle und präzise Fußarbeit bekannt. Der Oberkörper bleibt vergleichsweise ruhig, während die Füße scheinbar doppelt so schnell unterwegs sind wie die Musik.
Trotz all dieser Unterschiede bleibt das Grundprinzip gleich: Salsa ist ein geführter Paartanz mit viel Raum für Improvisation. Viele Figuren beginnen mit einem einfachen Platzwechsel oder Cross Body Lead. Daraus entstehen Rechts- und Linksdrehungen, Wickelfiguren und Kombinationen, die beinahe endlos erweitert werden können. Zwischendurch kann sich das Paar lösen und mit kleinen Solo-Schritten, den Shines, direkt auf Instrumente oder Akzente reagieren.
In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde Salsa auch außerhalb der lateinamerikanischen Gemeinschaft immer populärer. Salsaschulen, Clubs und später internationale Kongresse entstanden in Europa, Asien und fast überall sonst. Gleichzeitig entwickelte sich mit der Salsa Romántica eine weichere, gefühlvollere Musikrichtung. Heute reicht das Spektrum von den rauen New Yorker Aufnahmen der 1970er-Jahre bis zu modernen Produktionen mit Pop-, Hip-Hop- oder Reggaetón-Einflüssen.
Warum Salsa in klassischen Tanzschulen oft nur als Sonderkurs angeboten wird, ist eigentlich schade. Der Einstieg ist mit einem einfachen Grundschritt durchaus zu schaffen. Die eigentliche Herausforderung kommt später: den Rhythmus nicht nur zu zählen, sondern zu hören, den Partner klar zu führen und trotzdem locker zu bleiben. Genau darin liegt aber auch der Reiz. Salsa kann sehr einfach beginnen und wird selbst nach vielen Jahren nicht langweilig.
- Entstehung: Wurzeln im frühen 20. Jahrhundert; als Salsa seit den 1960er- und 1970er-Jahren verbreitet
- Entstehungsort: Kuba, Puerto Rico und New York
- Takt: 4/4
- Geschwindigkeit: meist etwa 40–55 Takte pro Minute
- Grundschrittlänge: 8 Schläge mit gewöhnlich 6 Schritten
- Welttanzprogramm: Nein; häufig als Sonderkurs angeboten
Typische Lieder für die Salsa |
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| Name | Interpret |
| Quimbara | Celia Cruz und Johnny Pacheco |
| Mi Gente | Héctor Lavoe |
| Aguanile | Willie Colón und Héctor Lavoe |
| Llorarás | Oscar D’León |
| Vivir Mi Vida | Marc Anthony |
Quellen:
- Encyclopaedia Britannica: Salsa
- U.S. National Park Service: Salsa and Migration
- University of Washington: Salsa Dance
- United States Patent and Trademark Office: Inventing Salsa
- Juliet E. McMains: Spinning Mambo into Salsa: Caribbean Dance in Global Commerce, Oxford University Press, 2015