Der Boogie ist wohl der faszinierendste Tanz von allen durch seine Offenheit in den Schrittfolgen, die swingende Musik, die vielen Grundschritte und so manches mehr. Ja, ihr habt richtig gelesen, es gibt im Boogie nicht nur den einen Grundschritt wie in den anderen Tänzen.
Es gibt allein schon drei Basisvarianten, wobei dann ein Vierer-, ein Sechser- oder sogar ein Achterschritt dabei herauskommt. Von diesen Grundschritten gibt es dann noch Variationen.
„Ihr könnt aber toll Rock 'n' Roll tanzen!“ – Welche(r) Boogie-Woogie-Tänzer(in) ist beim Tanzen in der Disco nicht schon mindestens einmal über diese Beifallsbekundung begeisterter Zuschauer 'gestolpert'? Die Richtigstellung, es handle sich gar nicht um Rock 'n' Roll, sondern um Boogie-Woogie, ruft bei den Discofreaks meist nur ein verdutztes „Ach so?!“ hervor.
Tatsächlich handelt es sich beim Boogie-Woogie um einen Vorläufer des Rock 'n' Roll. Beide Tänze haben sozusagen einen gemeinsamen „Großvater“, den Swing. Dessen Wurzeln liegen in den Musikkneipen der US-amerikanischen Schwarzenghettos Ende der 20er-Jahre.
In einem dieser Etablissements, dem „New York Savoy Ballroom“ im Herzen Harlems, wurde mit dem Swing erstmalig ein Paartanz kreiert, der nicht auf vorgeschriebenen Schrittfolgen basierte, sondern allein von der Improvisation der Tänzer und Tänzerinnen lebte. Der Tanz schien geradezu revolutionär: (Fast) alles war erlaubt – Hauptsache, die Paare bewegten sich im Takt der Musik. So konnte sich beim Swingtanz die spielerische Bewegungsphantasie der Schwarzen mit typisch weißen Tanzelementen vermischen.
Nur wenig später erfuhr der Swing eine Abwandlung in Form des Lindy Hop. Der Name war gut gewählt, denn genau wie beim Jahrhundertflug des amerikanischen Flugpioniers Charles Lindbergh flogen beim Lindy Hop die Damen durch die Luft, wurden von ihren Tanzpartnern über den Kopf geworfen und um die Hüften gewickelt. Nicht zuletzt durch die Darstellung der verrückten Tanzfiguren und -szenen in Filmen der Marx Brothers oder dem Kultfilm „Im Himmel ist die Hölle los“ erfuhr der Lindy Hop einen enormen Bekanntheitsgrad, der in der heutigen Zeit sogar eine Renaissance erlebt. Zahlreiche deutsche Lindy-Paare treffen sich regelmäßig mit Gleichgesinnten aus anderen Ländern zu Meisterschaften, Tanzveranstaltungen und -seminaren.
Eine weitere – wenn auch nicht ganz so bekannte – Swing-Variation nannte sich Jitterbug. Den Namen soll der schwarze Musiker Cab Calloway erfunden haben. Er verglich die sich nach seiner Musik wild gebärdenden Tanzpaare mit „Zitterkäfern“.
In Deutschland wurde die Swingmusik erstmals in den 30er-Jahren bekannt. Von den Nationalsozialisten verpönt, waren die „exotisch-abartige“ Musik und der Tanz von tanzwütigen jungen Pärchen Mitte der 30er-Jahre und in den 40er-Jahren als willkommene Abwechslung zum gleichmachenden Marschrhythmus. Der Mitte der 90er-Jahre produzierte Kinofilm „Swing Kids“ zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie die Machthaber die Verbindung aus Jugendprotest und purem Spaß am Tanzen als undeutsches Element zu unterdrücken versuchten.
Nach dem Untergang des „Tausendjährigen Reiches“ schwappte dann die Swingmusik, vorgetragen von riesigen Bigbands, unaufhaltsam über den Großen Teich. Und mit der Musik kam ein ganz neuer Tanz – der Boogie-Woogie.
Diesmal handelte es sich jedoch nicht nur um eine reine Namensänderung des Swingtanzes – die Swingmusik selbst hatte eine Veränderung erfahren. Der gute alte Blues war in Amerika neu überarbeitet worden, mit einer fließenden Pianospielweise, aufgebaut auf der Bassbegleitung der linken Hand.
Das spiegelte sich auch im Tanzstil wider: Obwohl der Boogie-Woogie im Prinzip so getanzt wurde wie der Swing, kamen die Paare nicht ins Schaukeln. Dazu war bei der schnellen Musik gar keine Zeit. Rasend schnelle Füße, allein aus der Hüfte getanzt – genau das richtige Mittel, um im zerstörten Deutschland einer aufgestauten Amüsierwut Platz zu schaffen, alles Bedrückende abzustoßen. Der Boogie-Rhythmus, viel schneller als zuvor beim Swing, war wie ein Rausch, der oft bis zur körperlichen Erschöpfung ausgelebt, getanzt wurde.
In den 50er-Jahren stellte sich allmählich wieder ein Leben in geordneten Bahnen ein. Viele Jugendliche empfanden das Bemühen ihrer Eltern, eine heile Nachkriegswelt aufzubauen, als bieder – ja verabscheuungswürdig. Da war der aus den Vereinigten Staaten kommende Rock 'n' Roll mit seinen heißen Texten, der fetzig-hämmernden Musik, dem wilden Tanz und dem extravagant-modischen Outfit genau das richtige Mittel, bestehende Konventionen umzustoßen. Man hörte, tanzte und – man lebte Rock 'n' Roll.
Berlin war unumschränkte Hochburg. Von 1950 bis 1958 wurden alle deutschen Meisterschaften im Boogie-Woogie und Rock 'n' Roll in unserer Stadt ausgetragen. Berliner Tänzer wie Horst Todt, deutscher Meister 1950 und 1951, und Kalle Gaffkus, der einzige deutsche Rock-'n'-Roll-Weltmeister der 50er-Jahre und vierfacher deutscher Meister (1953-56), setzten Akzente.
In unserer heutigen Zeit hat sich der Rock 'n' Roll zu einem reinen Turnhallen- und Turniersport entwickelt, der nur noch den Namen mit dem einstigen wilden Tanz und dem Flair der 50er-Jahre gemein hat. Bei den Turnieren – einer Mischung aus Jazz Dance und Akrobatik – hört man Disco-Musik, die sich für die hüfthohen Fußkicks besonders gut eignet. Nur wenige der im poppigen Aerobic-Outfit gekleideten Paare sind über 30 – ältere könnten bei diesem auf absolute Höchstleistungen ausgerichteten Akrobatiksport kaum mithalten.
Doch auch der Boogie-Woogie-Tanz ist moderner geworden. Heute erinnert sein 8er-Grundschritt mehr an den Rock 'n' Roll der 50er-Jahre als an den super-schnellen Boogie der späten 40er. Statt nach typischer Pianomusik tanzt man hier auch schon mal nach „Rock around the Clock“ und anderen Rock-'n'-Roll-Oldies. Zu Turnieren erscheinen die Paare meist in Petticoats, Sakkos und Hosenträgern, bei einschlägigen Freizeit-Tanzveranstaltungen wird in normaler Straßenkleidung gerockt.
Dabei fließen heute immer mehr Swingelemente in den Boogietanz ein – eine Entwicklung, die sich auch am veränderten Musikgeschmack der Tänzerinnen und Tänzer ablesen lässt. So treffen sich die Berliner Boogie- und Swingtanzpaare regelmäßig freitags im „Swingin' Ballroom“ des Grünen Salons, wo sie zu Livebands wie Jive Sharks, Jumpin' Jackets oder Boogie Radio Orchestra den Tanzboden erzittern lassen. In München, der Hochburg des Boogie-Woogie, geht's vor allem beim sonntäglichen „Abtanzen“ im Max'l (Max-Emanuel-Brauerei in der Schwabinger Adalbertstraße, ab 20.00 Uhr) so richtig rund.
Es ist also nicht verwunderlich – um auf die Anfangsbemerkung dieses Textes zurückzukommen -, dass der eine oder andere im Boogie-Woogie den guten alten Rock 'n' Roll wiederzuerkennen glaubt. Schließlich steht auch beim heutigen Boogie-Woogie – neben dem Spaß am Tanzen – die Freude an der Musik der 40er- und 50er-Jahre im Mittelpunkt.
Die Turnierregeln beim Boogie-Woogie sind von Land zu Land unterschiedlich. Es gibt ausgewählte internationale Musik-CDs des WRRCs, die meistens bei den Turnieren verwendet werden. International gibt es, wie schon oben genannt, 3 Klassen, die jeweils (mindestens) eine schnelle und eine langsame Runde tanzen müssen (ausgenommen die Juniorenklasse; in dieser Klasse werden auf internationalen Turnieren – auch in Deutschland – keine langsamen Runden getanzt).
Auszug aus den wichtigsten Regeln:
- Die langsame Runde wird zu einer Musikgeschwindigkeit von 30-32 Takten getanzt.
- In der schnellen Runde tanzen Junioren und Senioren zu einem Tempo von 50 Takten, und die Allgemeine Klasse tanzt zu einem Tempo von 52 Takten.
- Die durchschnittliche Tanzzeit beträgt international ca. 2 Minuten.
- Es gibt noch Vor- und Hoffnungsrunden, um sich für das Finale zu qualifizieren.
- Die langsame Runde wird ausschließlich von Finalpaaren der Main bzw. Seniorclass getanzt.
- Es kommen maximal 7 Paare ins Finale.
- Im Finale tanzt jedes Paar allein.
- In den Vor-, Zwischen- und Hoffnungsrunden können mehrere Paare gleichzeitig tanzen (Paarungen werden ausgelost).
- Es gibt 5-7 Wertungsrichter, die die Leistungen der Turnierpaare bewerten.
- Im Finale (international) werden aus 4 Titeln die Musikstücke den Paaren zugelost. In den Vor-, Zwischen- und Hoffnungsrunden wird die Musik mittels Zufallsgenerators ausgesucht.
- Man bewertet: Interpretation, Fußtechnik und Figuren.
- Man sollte sich im Stil der 1950er-Jahre kleiden. (Anmerkung: Wunschtraum und weder in Deutschland noch international vorgeschrieben)
- Es ist nicht erlaubt, Kleidungstücke bewusst wegzuwerfen.
- Jedem Paar muss im Finale mindestens eine Tanzfläche von 3×3 Metern zustehen.
Alle diese Regeln beziehen sich auf internationale Turniere des WRRCs.
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Typische Lieder für den Boogie-Woogie |
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| Name | Interpret |
| (Let Me Be Your) Teddy Bear | Elvis Presley |
| As Long As I'm Moving | Ruth Brown |
| Shake Rattle And Roll | Bill Haley |
| Who Put The B In The Boogie |
The Big Six |
| A Wonderful Time Up There | Pat Boone |
| A Teenager In Love | Dion And The Belmonts |
| Wenn Du Musikalisch Bist | Gitte |
| Sugar Baby | Peter Kraus |
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Entstehung: ~1930
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Entstehungsort: USA
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Takt: 4/4
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Geschwindigkeit: 25-60+ Takte pro Minute
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Grundschrittlänge: 6 Schläge
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Welttanzprogramm: Nein
Quellen:
- Dieser Artikel basiert auf dem Artikel: Boogie-Woogie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GFDL
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