Kategorie: sonstige

  • Die Polka

    Ein Paar tanzt Polka in traditioneller Kleidung
    Foto: Silar, CC BY-SA 4.0

    Die Polka ist so etwas wie der kleine Wirbelwind unter den Paartänzen. Sie wird im 2/4-Takt getanzt, ist flott, fröhlich und hat wenig Verständnis für langes Herumstehen. Wer bei Polka nur an Trachten, Blasmusik und ein gut gefülltes Festzelt denkt, liegt nicht völlig falsch. Der Tanz kann aber deutlich mehr: Seit fast zwei Jahrhunderten dreht er seine Runden durch Ballsäle, Volksfeste und Tanzveranstaltungen in aller Welt.

    Der Grundschritt besteht in seiner verbreiteten Form aus drei Schritten und einem kleinen Hüpfer. Danach beginnt die Folge mit dem anderen Fuß von vorn. Das klingt zunächst harmlos. Sobald Musik, Drehung und ein zweiter Mensch dazukommen, wird daraus allerdings ein ziemlich sportliches Vergnügen. Getanzt wird meist in geschlossener Paarhaltung und mit federnden, lebhaften Bewegungen. Je nach Region und Tanztradition fällt die Polka etwas ruhiger, kräftiger oder hüpfender aus.

    Entstanden ist die Polka wahrscheinlich um 1830 in Böhmen, also im Gebiet des heutigen Tschechiens. Eine oft erzählte Geschichte schreibt ihre Erfindung einer jungen Frau namens Anna Chadimová zu. Solche hübschen Entstehungslegenden sollte man jedoch nicht mit einer Geburtsurkunde verwechseln. Sicher ist: In den 1830er-Jahren wurde der Tanz in Prag bekannt. Von dort gelangte er über Wien nach Paris und löste in den 1840er-Jahren eine regelrechte Polka-Mode aus.

    Polkatänzerinnen und Polkatänzer beim National Polka Festival in Ennis, Texas
    Foto: Arlene Honza, CC BY-SA 3.0

    Auch die Herkunft des Namens ist nicht ganz eindeutig. Häufig wird er vom tschechischen Wort „půlka“ für „Hälfte“ beziehungsweise „Halbschritt“ abgeleitet. Andere Erklärungen stellen einen Bezug zu Polen her. Trotz ihres Namens gilt die Polka aber nicht als polnischer Nationaltanz, sondern als böhmischer Tanz.

    Die Auswanderung aus Mittel- und Osteuropa nahm die Polka gleich mit über den Atlantik. Besonders in den USA blieb sie in vielen Einwanderergemeinschaften lebendig. Dass sie dort nicht nur im Museum steht, zeigt zum Beispiel das National Polka Festival im texanischen Ennis. Verschiedene Regionen entwickelten dabei eigene Besetzungen, Spielweisen und Schrittvarianten. Polka ist deshalb weniger ein streng genormtes Einzelstück als eine ganze Familie eng verwandter Tänze.

    Zur Polka gehören eine klare Betonung und ein Tempo, das die Füße freundlich, aber bestimmt zur Mitarbeit auffordert. Berühmte Konzertpolkas stammen unter anderem von Johann Strauss Sohn und Josef Strauss. In der Volks- und Unterhaltungsmusik lebt der Rhythmus ebenso weiter. Wer eine Polka tanzen möchte, braucht also weder Ballkleid noch Lederhose. Bequeme Schuhe, ein wenig Kondition und ein Partner, der bei der Drehrichtung ungefähr derselben Meinung ist, sind allerdings sehr hilfreich.

    Typische Musik für die Polka
    NameKomponist/Interpret
    Tritsch-Tratsch-PolkaJohann Strauss (Sohn)
    Unter Donner und BlitzJohann Strauss (Sohn)
    Pizzicato-PolkaJohann Strauss (Sohn) und Josef Strauss
    Rosamunde (Škoda lásky / Beer Barrel Polka)Jaromír Vejvoda
    Liechtensteiner PolkaWill Glahé
    • Entstehung: um 1830
    • Entstehungsort: Böhmen, heute Tschechien
    • Takt: 2/4
    • Geschwindigkeit: je nach Stil unterschiedlich, meist lebhaft bis schnell
    • Grundschritt: drei Schritte und ein Hüpfer, danach mit dem anderen Fuß
    • Welttanzprogramm: Nein

    Quellen:

  • Der Discofox

    Der Discofox gehört zu den beliebtesten Tänzen einer Tanzveranstaltung, und das kommt nicht von ungefähr. Erstens kann fast jeder Discofox tanzen und zweitens gefällt die passende Musik vielen auch außerhalb einer Tanzveranstaltung: Discosound. Außerdem ist man beim Discofox von fast jeglichem tänzerischem Zwang befreit und kann auch individuelle Schritte und Bewegungen einbauen, ohne einen Stilfehler zu begehen. Beim Discofox kann man es richtig krachen lassen und sich schnell verausgaben. Zur Haltung: Die linke Hand des Herrn und die rechte Hand der Dame werden unten gehalten, jedoch sollte eine gewisse Spannung in den Unterarmen vorhanden sein, denn sonst bekommt man bei dem Tempo und der Ausführung der schnellen Drehungen und Figuren Probleme mit dem Takt. Wie soeben angedeutet, ist der Discofox ein schneller Tanz. Hervorstechendes Merkmal ist der (Stampf-)Rhythmus, der sich gleichmäßig durch das ganze Lied zieht – ich hatte, glaube ich, schon erwähnt, dass viele Hitparadenlieder deshalb sehr gut dazu verwendbar sind. Man kann eigentlich keinen Taktfehler begehen, denn man muss einfach nur bei jedem „Bumm!“ einen Schritt setzen. Es bleibt auch beim Discofox bei der tänzerischen Tatsache, dass die Dame umherwirbelt und der Herr in erster Linie die Aufgabe hat, sie in die Figur hineinzuführen, aufzufangen und so weiter. Es gibt mehrere unterschiedliche Grundschrittvarianten – je nach Tanzschule. Jedoch kann man diese relativ schnell miteinander in Einklang bringen.

    Der Discofox ging aus dem Foxtrott hervor, als um 1973 frei improvisierende Discotänzer zur Tanzhaltung zurückkehrten und den klassischen Foxtrott um Elemente aus Swing, Boogie-Woogie und Two-Step bereicherten. Dabei entstand in den USA der Hustle, in Europa der Discofox, der 1979 in das Welttanzprogramm aufgenommen wurde. Erste Turniere wurden Ende der 1980er-Jahre in der Schweiz ausgetragen; dabei manifestierte sich die Bezeichnung Disco Swing, als mehr und mehr Elemente aus anderen Tänzen wie Rock ’n’ Roll, Boogie-Woogie, Swing, Mambo, Salsa und Cha-Cha-Cha in den Discofox integriert wurden. 1992 fand die erste Discofox-Weltmeisterschaft in Basel statt. Organisiert wurde sie von der International Dance Organization. Erst acht Jahre später folgte die zweite Weltmeisterschaft in Miami; seitdem werden jedoch Europa- und Weltmeisterschaften jährlich durchgeführt.

    Der Discofox ist eine Fusion vieler verschiedener Elemente aus anderen Tänzen, weshalb er keine eigenen technischen Elemente entwickelt hat, sondern aus denen anderer Tänze besteht. So kombiniert er die aus dem Foxtrott abgeleiteten Schrittmuster mit der klassischen Tanzhaltung, der Improvisationsfreiheit des Swing, den Drehtechniken der lateinamerikanischen Tänze, den Wickelfiguren der Salsa und den akrobatischen Figuren des Rock ’n’ Roll und Boogie-Woogie.

    Der Discofox basiert auf dem 4/4-Takt, wobei jedoch der Takt nicht als Ganzes, sondern die Beats (engl. Taktschläge) einzeln gezählt werden. Beim Discofox und beim eng verwandten amerikanischen Three Count Hustle umfasst ein Grundschritt drei Schläge, in anderen Stilrichtungen wie z. B. dem New York Hustle vier Schläge. Während im klassischen Discofox ein 3er-Schritt verwendet wird, d. h., auf drei Schläge fallen auch drei Schritte, wird im Three Count Hustle und beim Discofox nach Vorbild des Hustle ein 4er-Schritt verwendet, d. h., auf drei Schläge fallen vier Schritte.

    Der Discofox ist heute neben Salsa der populärste Paartanz in der Schweiz und in Deutschland, was u. a. an seiner technischen Unkompliziertheit liegt. Weniger verbreitet ist er in Australien (Ceroc), Frankreich, Italien, Österreich, Russland (Disco Hustle) und Schweden.

    Die Schweiz ist seit Ende der 1990er-Jahre weltweit die erfolgreichste Discofox-Nation. So gingen fast alle Europa- und Weltmeistertitel der letzten Jahre in die Schweiz. Hauptgrund ist wohl die aktive Disco-Swing-Tanzszene, in der täglich, vornehmlich im Raum Zürich und in der Ostschweiz, in verschiedenen Lokalen Disco Swing zu aktueller Musik getanzt werden kann. In diesen „Dancings“ mischen sich Tänzer aus verschiedenen Stilrichtungen (Rock ’n’ Roll, Salsa, Jazz, Hip-Hop, lateinamerikanische Tänze) und entwickeln ständig neue Figuren, Schrittfolgen und Stilvarianten.

    • Entstehung: 1973
    • Entstehungsort: Europa
    • Takt: 4/4-Takt
    • Geschwindigkeit: ca. 30–34 Takte pro Minute
    • Grundschrittlänge: 3 Schläge, entsprechend einem 3/4-Takt
    • Welttanzprogramm: Ja

    Quellen: