
| Name | Gene Kelly |
| Land | USA |
| Verbreitungsgrad | International |
| Bürgerlicher Name | Eugene Curran Kelly |
| Geboren | 23. August 1912 in Pittsburgh, Pennsylvania, USA |
| Gestorben | 2. Februar 1996 in Beverly Hills, Kalifornien, USA |
| Tätigkeit | Tänzer, Schauspieler, Sänger, Choreograf und Regisseur |
Wenn Gene Kelly mit einem Regenschirm um eine Straßenlaterne tanzt, wirkt selbst ein Wolkenbruch wie eine Einladung zum Tanzen. Diese Szene aus Singin’ in the Rain machte ihn unsterblich. Kelly war jedoch weit mehr als der gut gelaunte Mann im Regen: Als Tänzer, Choreograf und Regisseur veränderte er die Art, wie Tanz für den Film entwickelt und aufgenommen wurde.
Eugene Curran Kelly wurde 1912 in Pittsburgh als eines von fünf Kindern geboren. Seine Mutter schickte ihn bereits als Kind zum Tanzunterricht, doch zunächst begeisterte er sich stärker für Sport und träumte von einer Laufbahn als Baseballspieler. Erst als Jugendlicher entdeckte er den Tanz für sich. Die sportliche Ausbildung blieb sichtbar: Kraft, Tempo und große, raumgreifende Bewegungen wurden später zu Kennzeichen seines Stils.
Kelly studierte Wirtschaftswissenschaften an der University of Pittsburgh und schloss das Studium 1933 ab. Während der wirtschaftlich schwierigen Jahre nach dem Börsenkrach half er seiner Familie und trat gemeinsam mit seinem Bruder Fred bei Wettbewerben und in Nachtclubs auf. Die Familie betrieb eine eigene Tanzschule, in der Gene Kelly unterrichtete und Bühnenerfahrung sammelte. Ein begonnenes Jurastudium gab er bald wieder auf, weil ihn die Arbeit als Tänzer und Choreograf stärker anzog.
1938 ging Kelly nach New York und erhielt sein erstes Broadway-Engagement in Cole Porters Musical Leave It to Me!. Es folgten The Time of Your Life und 1940 die Hauptrolle in Pal Joey, mit der er zum Broadway-Star wurde. Schon damals interessierte ihn nicht nur die Ausführung einer Choreografie. Er wollte Tanz aus der Handlung und aus dem Charakter einer Figur entwickeln, statt eine beliebige Showeinlage zwischen zwei Szenen zu setzen.
Sein Filmdebüt gab Kelly 1942 an der Seite von Judy Garland in For Me and My Gal. Der entscheidende Durchbruch gelang ihm zwei Jahre später mit Cover Girl und Rita Hayworth. In der berühmten „Alter Ego“-Nummer tanzt Kelly mit seinem eigenen Spiegelbild. Die technisch aufwendig montierte Szene zeigte bereits, wie sehr er Kamera, Schnitt und Spezialeffekte als Bestandteile einer Choreografie verstand.
In Anchors Aweigh von 1945, in Deutschland als Urlaub in Hollywood bekannt, tanzte Kelly nicht nur mit Frank Sinatra, sondern auch mit der Zeichentrickfigur Jerry aus Tom und Jerry. Realfilm und Animation mussten dafür Bild für Bild aufeinander abgestimmt werden. Für seine Darstellung erhielt Kelly seine einzige Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller. Zwischen 1944 und 1946 diente er außerdem in der US Navy und arbeitete dort in einer Filmeinheit an Dokumentarproduktionen. Diese Erfahrungen verstärkten sein Interesse an Regie und Filmtechnik.
Kellys Tanzstil unterschied sich deutlich von der scheinbar schwerelosen Eleganz Fred Astaires. Er tanzte bodennäher, kraftvoller und oft in Alltagskleidung statt im Frack. Elemente aus Ballett, Stepptanz, Jazz, Modern Dance und sportlichen Bewegungen verband er zu einer eigenen Filmsprache. Dabei sollte die Kamera den Tanz nicht bloß dokumentieren. Blickwinkel, Bildausschnitt, Bewegung der Kamera und Schnitt wurden so geplant, dass sie Rhythmus und Erzählung unterstützten. Häufig ließ Kelly den ganzen Körper der Tänzer im Bild, damit Schritte und Bewegungsfluss nachvollziehbar blieben.
Mit Stanley Donen führte Kelly 1949 bei On the Town erstmals Regie. Teile des Musicals wurden tatsächlich auf den Straßen von New York gedreht, was für eine große Studioproduktion damals ungewöhnlich war. Der Film öffnete das Musical räumlich: Tanz fand nicht mehr nur vor gemalten Kulissen statt, sondern eroberte Bahnhöfe, Straßen und Sehenswürdigkeiten. Kelly und Donen arbeiteten später auch bei Singin’ in the Rain und It’s Always Fair Weather zusammen.
1951 folgte An American in Paris mit Leslie Caron. Das lange Schlussballett verband George Gershwins Musik mit Bühnenbildern, die sich an französischen Malern orientierten. Der Film gewann sechs Oscars, darunter den für den besten Film. Kelly selbst erhielt 1952 einen Ehrenoscar für seine Vielseitigkeit und seine besonderen Leistungen für die Filmchoreografie.

Singin’ in the Rain von 1952 gilt heute als einer der Höhepunkte des klassischen Hollywood-Musicals. Kelly spielte die Hauptrolle, choreografierte die Tänze und führte gemeinsam mit Donen Regie. Neben der berühmten Regenszene gehören das rasante „Moses Supposes“ mit Donald O’Connor und das große „Broadway Melody“-Finale mit Cyd Charisse zu den bekanntesten Nummern. Der Film verbindet Tanz, Gesang und Komödie mit einer Geschichte über den schwierigen Übergang vom Stumm- zum Tonfilm.
Kelly experimentierte weiter. Invitation to the Dance, 1956 veröffentlicht, erzählt drei Geschichten allein mit Musik und Tanz; in einer davon verbindet sich Kelly erneut mit Animation. Das ehrgeizige Projekt war wirtschaftlich kein Erfolg, zeigt aber besonders deutlich seinen Wunsch, Tanz ohne erklärende Dialoge als eigenständige Erzählform einzusetzen. Auch in Brigadoon und It’s Always Fair Weather suchte er nach neuen Möglichkeiten für Breitwandformat, Gruppenbewegung und filmischen Raum.
Als das klassische Filmmusical Ende der 1950er-Jahre an Bedeutung verlor, arbeitete Kelly verstärkt als Regisseur und übernahm auch dramatische Rollen. Er spielte unter anderem in Inherit the Wind und in Jacques Demys Die Mädchen von Rochefort. Zu seinen Regiearbeiten gehören A Guide for the Married Man, Hello, Dolly! mit Barbra Streisand und The Cheyenne Social Club. Seine letzte große Filmrolle spielte er 1980 in Xanadu.
Sein Einfluss reichte über Hollywood hinaus. 1960 schuf Kelly für die Pariser Oper ein Ballett zu Gershwins Concerto in F und wurde später zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. 1982 erhielt er die Kennedy Center Honors, 1985 den Life Achievement Award des American Film Institute. Gene Kelly starb 1996 im Alter von 83 Jahren in Beverly Hills.
Kelly machte den männlichen Tänzer im Kino athletisch, modern und nahbar. Vor allem aber zeigte er, dass eine Filmchoreografie nicht einfach eine Bühnenchoreografie vor laufender Kamera sein muss. Seine besten Nummern sind speziell für Blickwinkel, Raum und Rhythmus des Films gebaut. Deshalb wirken sie auch Jahrzehnte später nicht wie abgefilmte Theaterstücke, sondern wie Bewegung, die nur im Kino genau so möglich ist.
Ausgewählte Filme
- For Me and My Gal (1942)
- Cover Girl (1944)
- Anchors Aweigh (1945)
- On the Town (1949)
- An American in Paris (1951)
- Singin’ in the Rain (1952)
- Brigadoon (1954)
- It’s Always Fair Weather (1955)
- Invitation to the Dance (1956)
- Die Mädchen von Rochefort (1967)
- Hello, Dolly! (1969, Regie)
Quellen:
- Encyclopaedia Britannica: Gene Kelly
- Kennedy Center: Gene Kelly
- PBS American Masters: Gene Kelly
- Wikipedia: Gene Kelly, mit weiterführenden Literatur- und Quellenangaben